"Die Presse" Kommentar: "Blauhelme für Südserbien" (von Wieland Schneider)

Ausgabe vom 2.3.2001

Wien (OTS) Schwarze Uniformen, blutrote Abzeichen und Kalaschnikow-Sturmgewehre
- in dieser Adjustierung waren rund 1500 albanische Kämpfer angetreten, um Südserbiens Albaner zu "beschützen".
Dem Westen wurde rasch klar, daß die "Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac" andere Ziele verfolgt: den Anschluß Südserbiens an den Kosovo und die Destabilisierung der Region - zum Nutzen albanischer Hardliner im Kosovo, die ihre Niederlage bei den Regionalwahlen im Herbst noch nicht verdaut haben.
Dem Westen war auch rasch klar geworden, daß der Konflikt in Südserbien das demokratische Projekt in Belgrad gefährden könnte, weil die Zurückhaltung der neuen Machthaber Munition für die Propaganda serbischer Nationalisten ist. Die Anhänger des gestürzten Autokraten Slobodan Milosevic nützten dies nämlich, um die "Schwäche" der neuen Regierung anzuprangern. Die Führung rund um Präsident Vojislav Kostunica mußte sich vorwerfen lassen, die "nationalen Interessen" der Serben nicht ausreichend zu verteidigen - auch im Serbien nach der Wende ein gefährlicher Vorwurf. Trotz all dieser Erkenntnisse ließ eine Reaktion des Westens auf die südserbische Krise jedoch lange auf sich warten.
Nun, da auch Mazedonien mit seiner großen albanischen Minderheit in den Konflikt hineingezogen zu werden droht, schrillen in den westlichen Staatskanzleien endlich die Alarmglocken. Die Nato-Staaten wollen die entmilitarisierte Pufferzone zwischen Serbien und dem Kosovo verkleinern. Das ist ein empfindlicher Schlag gegen die albanischen Rebellen, weil so ihr sicheres Aufmarschgebiet eingeengt wird. Für eine Lösung der Krise reicht das aber nicht aus.
Um den Rebellen jeden Vorwand für ihre Aktionen zu nehmen, muß Belgrad einen Ausgleich mit den Albanern Südserbiens finden. Die Minderheit muß sich sicher fühlen können. Ob ausgerechnet serbische Polizisten, die während des Krieges im Kosovo stationiert waren, dieses Sicherheitsgefühl herstellen können, ist fraglich.
Dafür bedarf es der Stationierung internationaler Einheiten - ein Schritt zu dem sich Belgrad, aber auch der Westen durchringen muß.

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