DER STANDARD-Kommentar: "Mediendiktatur" (von Gerfried Sperl - Erscheinungstag 1.3.2001

Wien (OTS) - Würde in Deutschland der Springer-Verlag den Spiegel, Focus und Stern kaufen und zu Geschwistern von Bild und Welt machen, wäre die dadurch entstandene Marktmacht kleiner als das jetzt in Österreich mit aktiver Beteiligung der gesamten politischen Kaste entstandene Konzern- Kartell aus Krone und Kurier, News, Format, profil, TV-Media.

Endgültig ermöglicht wurde die Großfusion durch Justizminister Böhmdorfer, der keinen Rekurs gegen das Ersturteil unternimmt, weil ein "gewisses Risiko" bestanden habe, damit durchzukommen. Somit vertritt der oberste Hüter der österreichischen Justiz eine Position,die folgendem Vorgang vergleichbar ist: Ein vermutlicher Großbetrüger wird in erster Instanz freigesprochen, der Staatsanwalt verzichtet aber auf eine Berufung, weil es ein "gewisses Risiko" gibt, dass in der zweiten Instanz der ersten Recht gegeben wird.

Der Minister einer Partei, die sonst für ihre Auffassung von Demokratie bereit ist, ohne viel Debatte die Verfassung zu ändern, ist plötzlich unter die Fußmaroden gegangen und müht sich mit Schuldzuweisungen ab: Der Minister Bartenstein und die Sozialpartner hätten die "no win"-Situation geschaffen.

Das mag nicht falsch sein. Denn zu Deals scheint es zwecks Abschaffung des Magazinmarktes allerorten gekommen zu sein. Wirtschafts- und Arbeiterkammer liegen auf einmal in einem Bett mit der größten Medienmacht Österreichs. Aber die Ausreden Böhmdorfers und Haiders wirken zu konstruiert, als dass man sie glauben könnte.

Blauäugig wird vom Altparteichef beteuert, man müsse einen Konzern rückwirkend entflechten, wenn er die "Medienfreiheit gefährdet". Doch just das geschieht jetzt und zielgerichtet. Gratulation zur zynischen Wende in eine Mediendiktatur.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 531 70/428

Der Standard

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST/OTS