NEUES LANDESLEHRER-DIENSTRECHT SOLL PROFILE EINZELNER SCHULEN STÄRKEN Gehrer: Direktoren werden zukünftig mehr als Manager gefordert

Wien (PK) - Die Tagesordnung des heutigen Unterrichtsausschusses wurde mit einer Aussprache über aktuelle Fragen eingeleitet. Im Mittelpunkt der Diskussion stand das neue Landeslehrerdienstrecht, das im Budgetbegleitgesetz 2002 festgelegt wird.

Bundesministerin Gehrer gab zunächst eine kurze Information über das neue Jahresnormmodell für die LandeslehrerInnen und betonte, dass damit der selbe Konsolidierungseffekt erzielt werde, wie durch das Abschlagssystem, das nun obsolet würde, dass damit aber wesentlich weniger Dienstposten abgebaut werden müssten, nämlich 2118 statt der ursprünglichen 2900. Die Betroffenen hätten mit einer Zustimmung von 73 % anlässlich einer Urabstimmung dieses Modell akzeptiert. Es werde nun vier Jahre erprobt und von einer Evaluierung begleitet.

Daran schlossen sich zahlreiche ins Detail gehende Fragen der Abgeordneten Dieter Brosz (G), Erwin Niederwieser, Beate Schasching, Robert Rada (alle S) und Gertrude Brinek (V). Seitens der Opposition standen insbesondere die Arbeitsplatzeffekte, die Auswirkungen auf die SchülerInnen sowie auf Schulstandorte im Vordergrund. Allgemeiner kritischer Tenor der S- und G-MandatarInnen war, nicht auf Kosten der SchülerInnen Budgetkonsolidierung zu betreiben.

Bundesministerin Gehrer widersprach dem heftig und hob hervor, dass das neue Landeslehrerdienstrecht keinerlei Auswirkungen auf die SchülerInnen und das Angebot an Förderunterricht und Integrationsmaßnahmen habe. Davon werde nichts weggenommen, die Länder erhielten die nötigen Ressourcen und bei ihnen liege dann die Entscheidungskompetenz über deren Einsatz. Den Schulleitern, so die Ressortchefin, komme in Zukunft eine wichtige Managementfunktion zu, die jeweils ihre LehrerInnen entsprechend einsetzen müssten und auch mehr Möglichkeiten hätten, ihrer Schule ein besonderes Profil zu verleihen. Die LehrerInnen würden mehr in der Klasse stehen - an der Volksschule 22 Stunden pro Woche, an der Hauptschule 21 Stunden, durch das Kontrollblatt, in dem die geplanten Tätigkeiten aufgelistet werden, würde auch transparent, dass das Lehrer-Sein ein äußerst anspruchsvoller Beruf ist. Das Modell sei damit auch geeignet, den LehrerInnen ein neues Selbstverständnis zu geben. Auch werde dem Leistungsgedanken voll Rechnung getragen, denn es würden auch weiterhin Mehrdienstleistungen ausbezahlt, ebenso würden die Zulagen erhalten bleiben. Wegfallen würden lediglich die administrativen Belohnungen.

Gehrer appellierte, Eltern durch Briefe mit falschen Behauptungen nicht ständig zu verunsichern. Sie bezeichnete dies sogar als verantwortungslos und erinnerte an die gemeinsame Verantwortung für das gesamte Schulwesen. Verständnis habe sie jedoch für die Verunsicherung bei den LehrerInnen aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen. Dem hielten die Abgeordneten Antoni und Schasching (beide S) entgegen, dass nur ausreichende Information Fehlmeldungen und Verunsicherung vermeiden könne.

Die Ministerin wurde in ihrer Argumentation von den Abgeordneten Karl Schweitzer (F) und Werner Amon (V) unterstützt. Schweitzer kritisierte vor allem die seiner Meinung nach verfehlte Anstellungspolitik der Länder, die dazu geführt habe, dass an manchen Schulen die Lehrerreserve sehr groß sei und viele pragmatisierte KollegInnen keine Möglichkeit hätten, ihren Beruf auszuüben. Amon sprach insbesondere die enge Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft bei der Erarbeitung dieses Gesetzes an und stellte einmal mehr fest, dass eine größere Anzahl von LehrerInnen keineswegs mehr Bildungsqualität bedeute. Ausschlaggebend sei die Qualität der LehrerInnen.

In einer zweiten Runde wurde von den Abgeordneten Dieter Antoni, Christian Faul, Erwin Niederwieser, Christine Muttonen (alle S), Dieter Brosz (G) und Silvia Paphazy (F) ein breites Spektrum an weiteren Sachfragen gestellt.

Bundesministerin Gehrer ging in ihrer Beantwortung besonders auf die mögliche Abschaffung von Bezirks- und Landesschulräten ein und meinte dazu, dass dies davon abhänge, wie viel Verwaltung man tatsächlich brauche. Eine Abschlankung sei jedenfalls notwendig, man denke z. B. nur an die Ausgliederung von Objektivierungsverfahren. Jedenfalls würde derzeit eine Strukturkommission an dieser Frage arbeiten, sie habe jedoch deponiert, dass sie ihre Verwaltungsbehörden in den Ländern für die Bundesschulen brauche. Sie wende sich auch strikt dagegen, die Bundesschulen in die Kompetenz der Länder zu geben, um sich nicht die gleichen Probleme wie bei den Landesschulen aufzubürden.

Zur IT-Ausstattung der Volksschulen bemerkte die Ressortchefin, dass Computer ein gutes Hilfsmittel darstellten, die Rechtschreibfähigkeiten der Kinder zu verbessern. Die Aufgabe der Volksschule sei es, Lesen, Schreiben und Rechnen ausreichend zu vermitteln und daher solle wieder mehr geübt werden. Als einen großen Fehler bezeichnete sie die jahrelang verwendeten Lückentexte. Um den Massenansturm an den BHS zu bewältigen, setzte die Ministerin auf Umschichtungen, da die Schülermasse selbst ja nicht mehr würde. Es würden daher im nächsten Jahr die Werteinheiten an allen Schulen überprüft, man müsse auch darüber informieren, dass Informationstechnologie an anderen Schulen angeboten werde.

Die Sorgen hinsichtlich der Freisetzung von LehrerInnen beantwortete Gehrer damit, dass es ein Vorruhestandsmodell gebe sowie Sonderurlaube, die auch für IT-Schulungen gewährt würden. Die Schulen müssten ihre Schwerpunkte verändern, deshalb habe sie auch bei der Lehrerausbildung mit Informatikstudien angesetzt. Gehrer wies abermals auf ihre Maturantenbriefe hin.

Angesprochen auf das Kommissionsmemorandum zum lebensbegleitenden Lernen, sagte Gehrer, dass eine interministerielle Plattform gegründet worden sei, um einen Maßnahmenkatalog zu entwickeln. Dezidiert sprach sie sich gegen Studiengebühren an Kollegs aus.

Die Gewaltbereitschaft an den Schulen sei laut einer Salzburger Studie nicht mehr geworden, die Gewalttaten selbst hätten sich jedoch verstärkt. Das Ministerium habe daher einige Aktionen gestartet und auch an den Schulen werde das Thema immer wieder diskutiert.

(Schluss)

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