Ärztekammer kritisiert massiv den Sparkurs der Regierung

Startschuß für die Informationskampagne "S.O.S. Gesundheit"

Wien (OTS) - "Das österreichische Gesundheitssystem wird in den kommenden Jahren mehr Geld benötigen, um der gesamten Bevölkerung eine Topmedizin zur Verfügung stellen zu können. Im Moment fehlen den Krankenkassen aber fast vier Milliarden Schilling. Und der jüngste Vorschlag der Sozialpartner zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wurde", kritisierte Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz in Wien. ****

Immer stärker offenbare sich das totale politische Unvermögen, die Finanzierungsprobleme in den Griff zu bekommen. Dorner: "Wenn die Politik einen Crashkurs in der Gesundheitspolitik fahren will, dann soll sie das machen. Nur muß sie dann auch den Mut haben, die Bevölkerung über die drohenden massiven Qualitätseinbußen in der medizinischen Versorgung zu informieren."

Klares Bekenntnis zur Spitzenmedizin

In den nächsten Tagen startet die Ärztekammer für Wien daher eine großangelegte Informationsoffensive, um die Patienten über "das Desaster rund um die heimische Gesundheitspolitik" (Dorner) entsprechend aufzuklären und die verantwortlichen Politiker auf den Finanzierungsengpaß sowie die Relevanz eines sofortigen Handlungsbedarfs aufmerksam zu machen. Dorner: "Anscheinend ist die Politik zu feige, etwas gegen die drohende Finanzkrise zu unternehmen. Trotz eines engagierten Regierungsprogramms wird seit einem Jahr nur herumgedoktert, ohne ein sinnvolles, langfristiges gesundheitspolitisches Konzept zu entwickeln."

Die Wiener Ärzteschaft erwarte sich konkrete Reformvorschläge von den im Gemeinderat vertretenen Fraktionen, wie die Finanzierung des Gesundheitssystems in Zukunft realisiert werden könnte. Auch erwarte man sich von Staatssekretär Reinhart Waneck "ein klares Bekenntnis zur Spitzenmedizin".

Geplante Aktionen im Rahmen der Aktion "S.O.S. Gesundheit" sind die Durchführung einer Umfrage unter 300 Ärzten und 500 Patienten durch das renommierte Meinungsforschungsinstitut OGM. Weiters wird in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten eine breite Patientenumfrage initiiert. Wartezimmerplakate sollen die Patientinnen und Patienten auf die Aktion der Ärztekammer aufmerksam machen. Um die gesamte Öffentlichkeit für das Problem der Finanzierung des Gesundheitssystems zu sensibilisieren, werden zudem in Tages- und Wochenmedien Anzeigen geschaltet.

Keine Einsparungen auf Kosten der Patienten

Ärztechef Dorner konkretisiert die aktuelle Situation im österreichischen Gesundheitswesen: "Wien hat ein hervorragendes Gesundheitssystem, eine gute flächendeckende Basisversorgung für alle sowie hohe Standards in Diagnostik und Therapie. Doch die akute Finanzkrise der Krankenkasse gefährdet diese Standards. Wir Ärzte können aber nur dann eine Topmedizin für jeden gewährleisten, wenn die Politik auch die entsprechenden Gelder bereitstellt."

Im Moment gebe es noch keine Rationierungen bei teuren Medikamenten, und auch alte Menschen würden rasch und mit den neuesten Methoden behandelt werden. Dies müsse auch so bleiben. "Wir wollen den Patienten nicht den Weg zum Arzt vermiesen oder erschweren, wir müssen aber darauf aufmerksam machen, daß Spitzenmedizin auch Geld kostet", betonte Dorner.

Der Ärztechef befürchtet massive Auswirkungen auf die gesamte Gesundheitssituation in Österreich: "Sollte der Sparstift der Regierung nicht vor der Gesundheitsversorgung halt machen, drohen ein weiterer Ansturm auf die Spitalsambulanzen, die mangelhafte Versorgung vor allem älterer und kranker Personen sowie ein Abdriften in ein Privatversicherungssystem." Das könne wohl niemand in Österreich wirklich wollen, so Dorner.

"Nur eine Kinokarte"

Der Ärztechef tritt als Problemlösung für eine "moderate Erhöhung" der Versicherungsbeiträge ein: Mit zusätzlich 100 Schilling Krankenversicherungsbeitrag pro Monat könnte die beste medizinische Versorgung für alle gesichert werden. Dorner: "Durch eine monatliche Beitragserhöhung, die dem Preis einer Kinokarte entspricht, können Rationierungen und die Etablierung einer Zwei-Klassen-Medizin verhindert werden." (bb/hpp)

(Forts.)

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