Biolandbau: Sternstunde oder Sternschnuppe?

Zahl der Biobauern sinkt: Bioverbände, Umweltorganisationen, Tierschutz und Bio-Forschung fordern gemeinsam deutliche Signale von der Politik

Wien (OTS) - Der Biolandbau erlebt angesichts von BSE und Schweineskandal derzeit eine Sternstunde. Es könnte allerdings eine Sternschuppe werden: Denn derzeit ist die Zahl der Biobauern in Österreich rückläufig, die Vermarktung von Bioprodukten kämpft mit großen strukturellen Schwierigkeiten. Bei einem gemeinsamen Hintergrundgespräch zur Landwirtschaftskrise kritisierten VertreterInnen von Bioverbänden, der Umweltorganisationen Global 2000 und WWF, der Tierschutzorganisation Vier Pfoten und des Instituts für Biolandbaus der Universität für Bodenkultur die derzeitige österreichische Landwirtschaftspolitik scharf und forderten deutliche Signale von der Politik. Denn in den nächsten Wochen wird mit dem Budget 2002 und mit der Bio-Enquete des Landwirtschaftsministeriums am 6.3. über Weichenstellungen für den Biolandbau entschieden.

Österreich ist keine Insel der Seligen: Die Zahl der österreichischen Biobauern ist im letzten Jahr von 20.000 auf 18.000 gesunken. Zugleich geht der Trend in der österreichischen Landwirtschaft eindeutig in Richtung Intensivierung. Der im EU-Vergleich hohe Anteil an Biobauern ist vor allem auf den hohen Alpenanteil zurückzuführen. Die Gründe dafür liegen in der Förderpolitik: Der Großteil der landwirtschaftlic hen Förderungen ist rein produktionsabhängig und bevorzugt so die intensive Landwirtschaft, kritisierte Simone Lughofer vom WWF. Iris Strutzmann von GLOBAL 2000 forderte daher ein österreichisches Aktionsprogramm für den Biolandbau, das als ersten Schritt die biologische Landwirtschaft als Leitbild gesetzlich verankert.

Auch Peter Sitzwohl von der "ARGE Biolandbau" erwartet sich angesichts der Krise deutliche Signale von der Politik. Besonders in der Vermarktung sind biologische Produkte schwer benachteiligt: Vom 130 Millionen Schilling schweren AMA-Werbebudget werden nur 10 Millionen für Bio-Produkte verwendet - weniger, als die Biobauern einzahlen. Die Förderung für die Bioverbände wurde im letzten Jahr sogar von 14 auf elf Millionen Schilling gekürzt.

"Als Tierschutzorganisation leisten wir uns den Luxus, vom Lebewesen auszugehen", erklärt Mona Naderer von "Vier Pfoten", und forderte einheitliche Tierschutzstandards und Kontrollen in der Landwirtschaft. Ein weitgehender Umstieg auf Biolandbau mit seinen strengen Kontrollen würde dieses Problem lösen. Unglücklich mit der derzeitigen Situation zeigte sich auch Ruth Kratochvil vom Institut für Biolandbau der Universität für Bodenkultur: Obwohl der Biolandbau die wichtigste landwirtschaftliche Innovation der letzten zehn Jahre darstellt, muss er nach wie vor um einen angemessenen Anteil an Forschungsgeldern kämpfen.

Der Ball liegt jetzt bei Landwirtschaftsminister Molterer, waren sich die VertreterInnen aller Organisationen einig: Mit einem ambitionierten Programm für den Biolandbau kann jetzt die Chance zu einer Trendwende in der Landwirtschaft genützt werden. Beschränkt er sich aber weiterhin auf verbale Förderung der Biobauern ohne reale Maßnahmen, ist diese Chance auf Jahre hinaus vertan.

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