Gewerbeverein: Beim Meister zu enge Kundensicht der Beamten

Wien (OTS) - Dass Beamte, Pragmatisierte und Politiker einen
engeren Kundenbegriff haben, als andere Berufsgruppen, ist mittlerweile evident.

Seit etwa zwanzig Jahren versteht sich die einschlägige US-Literatur darauf, als Kunden nicht nur jenen zu sehen, dem man eine Leistung verrechnet, sondern auch das gesamte Umfeld, dem man etwa innerhalb eines Betriebes Leistungen liefert. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass Mitarbeiter höherer Hierarchielevels nach unten liefern und vice versa. Die deutsche Managementliteratur hat sich dieser Ansicht vor Jahren angeschlossen. Mittlerweile ist man auch in der Praxis - sogar in Österreichs privater Wirtschaft so weit - diese Denke anzunehmen.

Customer Satisfaction wird zwischenzeitlich nicht nur auf den zahlenden Kunden bezogen, sondern auch auf den Leistungsempfänger im eigenen Haus, den Schüler und sogar den bisherigen Bittsteller am Passamt - bei 950.- Ausstellgebühr nicht besonders hervorhebenswert.

Die Bürokratie hat nur noch nicht verstanden, den Kundenbegriff im Umfeld der Meisterdebatte dem zeitgemäßen Denken anzupassen. Kein Wunder sind doch die betroffenen Administratoren stets Kunden im Sinne von Leistungsempfängern.

Denen, die den Meister als Befähigungsprüfung in Österreich ersatzlos abschaffen wollen, sei daher angeraten - etwa bei der "Leib-und-Leben-Definition" des Kunden den zeitgemäßen Begriff anzuwenden.

Kunden sind daher auch Menschen, die Werkstücke weiterbearbeiten oder an einer Baustelle vorbeigehen. Auch deren Leib-und-Leben kann bei nicht sachgemäßer Anweisung durch den Vorgesetzten Schaden nehmen. Wer demnach den Leib-und-Leben-Begriff so eng sieht, wie die heutige Bürokratie, dem sei angeraten im Sinne einer funktionierenden Gesellschaft, sich der modernen Definition anzuschließen und Meister auch dort als sinnvoll und notwendig zu erachten, wo nicht nur Käufer geschädigt werden können, sondern das gesamte Umfeld, meint der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) in einer Aussendung.

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