Photovoltaik: Einheitliche Einspeisetarife sollen Rechtssicherheit bringen und Investitionen in innovative Solarenergie fördern

Wien (OTS) - Österreichs Anbieter von Photovoltaik-Anlagen zur Stromerzeugung haben ein Problem: Kein technisches, denn die Systeme zur direkten Strom-gewinnung aus Sonnenenergie sind erprobt und ausgereift, die Fachbetriebe am letzten Stand der Technik: Nein, (fehlende) gesetzliche Grundlagen machen ihnen zu schaffen. "Wesentlich ist der Einspeisungstarif in Verbindung mit einer Laufzeit-Garantie von 15 Jahren", sagt Univ.-Prof. Dr. Gerhard Faninger (Universität Klagenfurt) vom wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbandes Photovoltaik. Wenn die Energieversorger in Österreich - wie es in Deutschland der Bund einheitlich regelt - diese Langzeit-Garantie geben, wird es für Investoren sinnvoll, Photovoltaik-Anlagen zu finanzieren und zu betreiben. Geschieht dies nicht, herrscht Rechtsunsicherheit, die Geldgeber und Interessenten nicht gerade ermuntert, in diese fort-schrittliche, Ressourcen und Umwelt schonende Alternativenergie zu investieren.

Der Bundesverband Photovoltaik in der Wirtschaftskammer Österreich hat sein Konzept für eine bundeseinheitliche Förderung bereits an alle Landeshauptleute versandt. "Photovoltaik erfreut sich zwar weltweit beachtlicher Wachstumsraten, die Kosten der Energieerzeugung verhindern aber noch den wettbewerbsfähigen Einsatz", sagt Ing. Bernd J. Rumplmayr, Obmann des Bundesverbandes. Große Serien mit ihren Degressions-effekten in Herstellung und Vertrieb können die Kosten kontinuierlich senken. Das Konzept einer bundesweiten Förderung der Photovoltaik soll die derzeitigen Regelungen ersetzen, die zeitlich und regional begrenzt sind. Die Förderung auf ELWOG Basis sieht vor, dass der Anteil des verkauften Stroms aus alternativen Energien in Österreich bis 2005 auf 3 Prozent steigt.

Der Einsatz der Mittel soll effizienter werden. Dazu trägt auch der Herstellungsprozess der Photovoltaik-Module bei, der schon auf dem Weg zur Großserienfertigung ist. Diese und neue Technologien in der Fertigung führen zu ständigen Kostensenkungen. Die Sicherheit für Investoren ist jedoch erst mit einer Laufzeit-Garantie von 15 Jahren gewährleistet. Österreich sollte nach dem deutschen Muster eine bundeseinheitliche Regelung für Förderungen gewähren. In Deutschland gilt seit April 2000 das EEG, das "Gesetz zum Vorrang Erneuerbarer Energien". Es sieht unter anderem eine Einspeisevergütung von 99 Pfennig pro Kilowattstunde für Anlagen vor, die bis zum Jahresende 2001 ans Netz gehen. In Österreich läuft das ELWOG (Elektrizitätswirtschafts- und Organisationsgesetz) im April dieses Jahres aus.; bis zum Sommer 2001 müssen die Landesregierungen diese Materie durch Novellen regeln. Die Einspeisevergütung ist nun Landessache. Den Ländern bleibt nur wenig Zeit, um entsprechende Verordnungen auszuarbeiten und Tarife und Laufzeit festzulegen.

Bisher hat lediglich der oberösterreichische Landtag eine solche gesetzliche Regelung mit 15-Jahres-Garantie beschlossen. Das Land richtete einen Fonds ein, der unter anderem von EVUs mit etwa 60 Mio. S dotiert wurde. Eine vorbildliche Maßnahme, die der Bundesverband unterstützt. In seinen Memorandum an die Landeshauptleute verweist der Bundesverband Photovoltaik auf die aktuelle Lage am heimischen Markt für Photovoltaik; zugleich bietet der Bundesverband den Landeserantwortlichen an, sie bei der Umsetzung der ELWOG-Ziele zu unterstützen. "Wir würden es begrüßen, wenn wir bei der Ausarbeitung der neuen Richtlinien mitwirken könnten" - mit dieser Einladung stellt sich der Bundesverband als kompetenter und logischer Partner vor, um das drängende Problem zu lösen.

Denn die Ist-Situation ist für die verstärkte Markteinführung netzge-koppelter PV-Anlagen in Österreich weder für die Wirtschaft noch für private Investoren zufriedenstellend. Die PV-Unternehmen Österreichs erwarten sich bei der Umsetzung der neuen Novelle zum ELWOG in den einzelnen Bundesländern, dass die Einspeisetarife ebenso eindeutig festgelegt werden wie die Garantie der Laufzeit, damit getätigte Investitionen in einer Betriebszeit von 15 Jahren zu verdienen sind. Rechtsunsicherheit bringen Maßnahmen wie jene in Kärnten. Sie sehen eine kurzfristige Rücknahme der verordneten Einspeisetarife für PV-Anlagen über 10kW Leistung vor.

Ing. Rumplmayr als Obmann des Bundesverbandes und Univ.-Prof. Faninger verweisen außerdem auf die positiven Effekte, die jede Förderung der Photovoltaik bringt: Damit wird ein Wachstumsmarkt mit großem Potential erschlossen; Industrie wie Gewerbe profitieren vom hohen heimischen Know-how; es gibt Exportchancen und die Möglichkeit, Ländern der Dritten Welt zu helfen (die Weltbank finanziert die dezentrale Stromversorgung mittels Photovoltaik), wobei zugleich Arbeitsplätze in Österreich generiert und gesichert werden.

Vor allem bei den Wechselrichter-Anlagen zählen heimische Erzeuger zur absoluten Spitze des internationalen Fortschritts. Und nicht zuletzt handelt Österreich ganz im Sinn des EU-Weißbuches, nach dem bis zum Jahr 2010 der Anteil der erneuerbaren Energien verdoppelt werden soll. Im einund-zwanzigsten, dem "Jahrhundert der Sonne" muss auch das ökologisch ausgerichtete Österreich Zeichen setzen. Der Durchbruch der Photovoltaik wäre ein solches, sagt Rumplmayr.

Photovoltaik in Österreich: Politische Rahmenbedingungen behindern breitere Markteinführung

Der Bundesverband PHOTOVOLTAIK ÖSTERREICH - als Interessengemeinschaft der österreichischen Pkotovoltaik-Firmen in der Wirtschaftskammer Österreich angesiedelt - hat sich bei der Generalversammlung am 5. Dezember 2000 in der Solarstadt Gleisdorf mit dem Photovoltaik-Markt in Österreich befasst und das folgende

MEMORANDUM

beschlossen:

Mit dem im Jahre 1988 vom Bundesminister für wirtschaftliche Angelegenheiten erlassenen neuen Elektrizitätswirtschafts- und Organisationsgesetz (ElWOG) werden u.a. auch die Technologien zur Stromerzeugung aus den erneuerbaren Energiequellen "Sonnenenergie, Windenergie und Biomasse" behandelt und es wird vorgesehen, dass bis zum Jahre 2005 ein Anteil von zumindest 3% bei der Gesamtaufbringung von Strom in Österreich über diese neuen Technologien erreicht werden muß. Die Kompetenz zur Verordnung von kostendeckenden Einspeisetarifen für den von privaten Stromerzeugern in das öffentliche Netz eingespeisten Strom wird an die Landeshauptmänner delegiert. Eine große Herausforderung, welche nur in engem Zusammenwirken zwischen Industrie und Stromerzeugern unter geeigneten politischen Rahmenbedingungen - zur Absicherung eines wirtschaftlichen Einsatzes - zu realisieren ist.

Mit unterschiedlichen Finanzierungsmodellen konnte in den Bundesländern Interesse für netzgekoppelte Photovoltaik-(PV-)Anlagen bei potentiellen Investoren geweckt werden, eine Realisierung von Projekten scheitert derzeit aber an der fehlenden Garantie für die Laufzeit der Einspeisetarife, zumal das ElWOG nur bis April 2001 Gültigkeit hat und anschließend neu ausgehandelt bzw. verordnet werden muss. Eine Reihe von fertig ausgearbeiteten Projekten - unter Einbindung von PV-Firmen sowie lokalen Planungs- und Installationsbüros - mußten, obwohl private Investoren gefunden wurden, zurückgestellt werden und die erwartete Verdoppelung des PV-Marktes in Österreich hat im Jahre 2000 nicht stattgefunden den. Nur in Oberösterreich, wo das Land die Garantie für den Einspeisetarif für 15 Jahre über die Gründung eines Fonds übernommen hat, hat sich der PV-Markt auch in diesem Jahre sehr positiv entwickelt.

Die derzeitige Situation ist für eine verstärkte Markteinführung netzgekoppelter PV-Anlagen in Österreich weder für Wirtschaft und noch private Investoren zufriedenstellend. Die PV-Firmen in Österreich erwarten sich bei der Umsetzung der neuen Novelle zum ElWOG in den Bundesländern, dass mit eindeutigen Festlegungen der Einspeisetarife, inklusive Garantie der Laufzeit, eine Kostendeckung der getätigten Investitionen im Rahmen einer Betriebszeit von 15 Jahren zu erzielen ist. Kurzfristige Rücknahmen der verordneten Einspeisetarife, wie dies in Kärnten für PV-Anlagen über 10 kW Leistung erfolgt ist, sollten ausgeschlossen sein.

Der Bundesverband PHOTOVOLTAIK ÖSTERREICH bietet sich den Bundesländern als Partner bei der Umsetzung des ElWOG-Zieles an. Eingehende Untersuchungen haben ergeben, dass unter technischen und ökonomischen Kriterien mit netzgekoppelten Photovoltaikanlagen in Österreich ein Anteil von 1% des Stromeinsatzes mittelfristig bereitgestellt werden kann. Es sollte auch beachtet werden, dass der Photovoltaik eine immense Bedeutung bei der wirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern der Dritten Welt beigemessen wird und die Industriestaaten die Aufgabe haben, dieser Zukunftstechnologie eine weitere Entwicklungschance zu geben. Mit einer breiteren Markteinführung von PV-Anlagen könnten nicht nur entscheidende Impulse für eine kostensenkende Produktion von PV-Anlagen gegeben werden, Österreich könnte darüber hinaus seine Vorreiterrolle bei den thermischen Solaranlagen in Europa auch auf die elektrischen Solartechniken ausdehnen.

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