45 österreichische Künstler entziehen der Republik ihre Namen und 20 Millionen Steuerleistung - NEWS: Robert Menasse an der Spitze - Firma "Free Austria Kunst.

g.m.b.H." im europäischen Ausland in Gründung - als Maßnahme gegen Künstlersozialversicherungsgesetz Vorausmeldung zu NEWS 8/01 v. 22.2.2001

Wien (OTS) - Der Autor Robert Menasse bereitet an der Spitze von derzeit 45 österreichischen Künstlern den "Massenexodus aus Österreich" (O-Ton Menasse) vor. Das berichtet NEWS in seiner Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Die Künstler - Autoren, Maler, Bildhauer, Fotografen, alle unter 50 Jahren - werden Angestellte der in Gründung befindlichen Firma "Free Austria Kunst G.m.b.H.", die im europäischen Ausland ihren Sitz haben wird. Zur Wahl stehen derzeit Frankreich, Holland und Liechtenstein. Alle drei Regierungen haben sich laut Menasse bereit erklärt, der Firma eine Heimat zu bieten.

In einem Monat soll die Firma laut Menasse existieren. Dann werden auch die anderen Künstler ihre Namen nennen. Sie firmieren dann als Angestellte der Firma, was zwei Effekte hat:

1) können sie laut Doppelbesteuerungsabkommen in Österreich nicht mehr besteuert werden. 20 Millionen fließen damit laut Menasse ins Ausland.

2) werden sie "wie Girardelli" (Menasse in NEWS) auch unter der Flagge dieses Landes laufen. Menasse: "Die wichtigsten österreichischen Künstler unter 50 werden nicht mehr als österreichische Künstler firmieren. Die Republik wird sich auf diese Künstler nicht mehr berufen können. Weder zu Lebzeiten noch, wie jetzt im Fall Bernhard, nach ihrem Tod. Es wird in kurzer Zeit keine junge österreichische Kunst mehr geben." Menasse lädt darüber hinaus alle österreichischen Freiberufler ein, der Firma beizutreten.

Grund für die Maßnahme ist das von der Regierung geschaffene Gesetz zur Künstlersozialversicherung, das nur für Betroffene unter 50 Jahren gilt. Es wirkt sich laut Menasse auf die Künstler existenzvernichtend aus.

Menasse führt seine eigene Person als Beispiel an: Er habe über Jahre eine freiwillige Pflichtversicherung von 5.000 Schilling einbezahlt. Jetzt solle er plötzlich zur Entrichtung von 25 Prozent seines Einkommens - 15.000 Schilling monatlich an die Pensionsversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft - gesetzlich gezwungen werden. Die Gegenleistung dafür sei weitaus schlechter als die von der Privatversicherung gebotene. Zusammen mit fast 50 Prozent Steuerleistung sei das finanziell ruinös.

Menasse zu NEWS: "Eine Gruppe österreichischer kreativer Menschen, die bisher in Summe 20 Millionen pro Jahr Steuern bezahlt haben und bereit waren, es in alle Zukunft zu tun, zahlt diese Summe weiter. Aber in einem anderen Land, weil wir nicht bereit sind, 40 Millionen zu zahlen. Deshalb zahlen wir keinen Groschen mehr an Österreich. Wir wollen in der ganzen Welt klar machen, dass diese Regierung, die das Kulturinstitut in Paris sperrt und österreichische Künstler durch Steuergesetze wider die guten Sitten radikal behindert, eine Lachnummer ist, wenn sie noch ein einziges Mal sagt: Besucht die Kulturnation Österreich."

Schwere Attacken richtet Menasse gegen Kunst-Staatssekretär Morak. Der habe etwa den von den Künstlern mit dem Mandat versehenen Autorenvertreter Gerhard Ruiss nicht zu den Verhandlungen über den Gesetzesentwurf zugelassen. Menasse: "Er hat sich seine Verhandlungspartner selbst ausgesucht, damit sie ihm als Feigenblatt dienen. Und da sie über 50 sind, hat er das ruinöse Gesetz auf Künstler unter 50 limitiert. Er hat auch alle Angebote ausgeschlagen, sich von Experten über die Handhabung der Sozialversicherung in anderen EU-Ländern informieren zu lassen. Unabhängig vom Ergebnis ist also schon das Zustandekommen dieses Gesetzes ein Skandal."

Die bevorstehende Gründung der Firma sei laut Menasse nur unter zwei Bedingungen abzuwenden: Morak müsse zurücktreten und Kunstkanzler Schüssel den Künstlern "ein Angebot auf faire steuerliche Bedingungen nach dem österreichischen Gleichheitsgrundsatz" unterbreiten.

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