"Neue Zeit" Kommentar: "Elegant" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 20. 2. 2001

Graz (OTS) - Die "Schnapsidee", die Kosten für die Maßnahmen
gegen die BSE-Krise von den EU-Beiträgen einzubehalten, konnte eigentlich nie ernst genommen werden. Schließlich zahlt die EU den österreichischen Bauern 70 Prozent des Rindfleischpreises, damit sie ihre alten Tiere aus dem Stall bekommen. Wenn aber auch der Bund nicht bereit ist, zu zahlen und die Länder sogar ihre bisherige 30-prozentige Beteiligung an den Kosten verweigern, bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten. Die Bauern können auch schwerlich zur Kasse gebeten werden. Schließlich läuft das EU-Notprogramm zu deren Entlastung. Auf der einen Seite geben, auf der anderen nehmen, wäre ein Schildbürgerstreich. Also wird es kommen, wie es kommen musste:
die Konsumenten werden zahlen. Der Vorstoß des Bauernbundes, eine sogenannte BSE-Steuer auf Nahrungsmittel einzuheben, war noch etwas zu plump und stieß deshalb auf eine breite Front der Ablehnung. Lange brauchte allerdings nicht gesucht werden, eine elegante Form zu finden, den Konsumenten für die Rinderseuche zu schröpfen. Der Handel soll zahlen, lautet die Zauberformel. Wenn der Handel die Kosten zu tragen hat, ist selbstverständlich der Konsument dran. Denn keine Kette wird so dumm sein, eine BSE-Steuer auf ohnehin schon schwer verkäufliches Fleisch aufzuschlagen. Die Kosten werden auf die verschiedensten Produkte abgewälzt, so dass der Konsument der BSE-Steuer nur entkäme, ginge er nicht einkaufen. Was nicht möglich ist.

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