Kommentar 20.2.2001

Wien (OTS) - Soll Heinz Sundt zurücktreten?
von Arno Maierbrugger =

Telekom Austria-Generaldirektor Heinz Sundt hat schon
einmal mehr Erfolg gehabt. Das ist spätestens seit dem Börsegang des Unternehmens sonnenklar. Und in regelmässiger Folge werden daher Ablösegerüchte genüsslich in den Zeitungen ausgewalzt, obwohl er sie bis jetzt immer energisch dementierte, zuletzt in der ZIB am vergangenen Mittwoch. Was sollte ein Sundt-Rücktritt bewirken? Sicher wird das Rachebedürfnis einiger Kleinanleger vordergründig befriedigt, und ein Bauernopfer wäre als Signal nach aussen aus der Sicht mancher auch nicht schlecht. Doch was dann? Der als Nachfolger gehandelte Marketingvorstand und Ex-Nokia-Manager Heinz Brasic hat schon zur Zeit seiner Bestellung einige Vorschusslorbeeren bekommen. Leider hat er nicht viel ausgerichtet. Im Gegenteil: Das öffentliche Bild der Telekom Austria ist schlechter geworden, die flotte Kampagne zum Börsegang hat sich als grosse Mogelpackung entpuppt, und mit der Dachmarke jet2web kann keiner etwas anfangen. Was sollte also Brasic besser machen als Sundt? Tatsächlich wird jeder noch so engagierte Manager in der halbstaatlichen Löwengrube Telekom bis auf die Knochen zerfleischt. Die Löwen sitzen in der ÖIAG und wälzen so viele Fehler wie möglich auf ihre Generaldirektoren ab, um nur ja selbst ungeschoren davonzukommen. Das war bei Sundt-Vorgänger Werner Kasztler so, und die selben Dankbarkeiten wird auch ein Sundt-Nachfolger erwarten können. Statt dass sich TA-Aufsichtsratschef und ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz nun schützend vor seinen Generaldirektor stellt, was eigentlich seine Aufgabe wäre, verweigert er trocken jeden Kommentar zu den Ablösegerüchten. Das macht den Ämtermulti von Regierungs Gnaden nicht besonders glaubwürdig. Zwar schafft es Ditz, einen Aufsichtsratsposten nach dem anderen an sich zu reissen, ob das aber für Österreich gut ist, bleibt dahingestellt. Alleine für seine "Erfolge" beim Börsegang der Telekom Austria sollte eigentlich Ditz selbst zurücktreten. Auch im AUA-Aufsichtsrat haben nicht alle auf ihn gewartet. Anscheinend beurteilt Ditz die Rolle der ÖIAG und seine eigenen Fähigkeiten etwas zu übertrieben optimistisch. Bei der Telekom Austria gibt es nicht einmal mehr etwas "politisch umzufärben". Warum soll also Heinz Sundt zurücktreten? Höchstens, weil er selbst die Nase voll hat. (Schluss)

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