"profil". Fischler: "Sich an mir die Schuhe abzuputzen ist unfair"

EU-Agrarkommissar Fischler wehrt sich gegen Kritik aus Wien - EU ordnet keine Rindervernichtung an - Haider und Haupt verbreiten "Schauermärchen"

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" wehrt sich EU-Kommissar Franz Fischler gegen Kritik aus Österreich: "Ich werde für Dinge geprügelt, die reine Phantome sind. Wir verpflichten niemanden, auch nur ein Rind zu schlachten. Man sollte endlich aufhören, der EU zu unterstellen, dass wir Rindervernichtung anordnen."

Der erste Plan zur Notschlachtung älterer Rinder sei verhängt worden, als nicht klar war, ob die EU-Mitgliedsländer rechtzeitig mit BSE-Tests zurande kommen würden.

Durch den neuen Plan, über den die EU-Agrarminister Ende Februar entscheiden, könne jedes EU-Mitgliedsland frei entscheiden, ob es am Aufkaufprogramm von Fleisch älterer Rinder teilnimmt. Österreich könne auch selbst entscheiden, ob es dieses Fleisch vernichtet, verschenkt oder auf eigene Kosten einlagert. Fischler: "Es kann sein, dass in Österreich kein einziges Kilo anfällt. Vielleicht stabilisiert sich der Markt wieder."

Fischler empfiehlt den Konsumenten, wieder Rindfleisch zu essen. Da Risikomaterial bei der Schlachtung entfernt werde, "ist Rindfleisch jetzt so sicher wie noch nie. Nunmehr zu einem normalen Konsumverhalten zurückzukehren wäre der beste Beitrag zur Lösung des Problems".

Die harte Kritik des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll, der gemeint hatte, aus Fischler spreche "schlechtes Gewissen" über mangelhafte Reformen der Agrarpolitik der Europäischen Union, weist der Kommissar energisch zurück. Fischler im "profil"-Interview: "Ich finde es sehr merkwürdig, dass man mich allein für die Agenda 2000 verantwortlich macht, wo sie doch von allen EU-Staats- und Regierungschefs sowie den Agrarministern einstimmig beschlossen wurde. Sich jetzt an mir die Schuhe abzuputzen, ist mehr als unfair."

Als unrealistisch stuft der Kommissar die Forderung des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider ein, der einen Beitragsrabatt für BSE-freie Länder gefordert hatte. Fischler: "Mit diesem Vorschlag kann man gut Stimmung machen, aber auf die Umsetzbarkeit hat er sicher nicht geachtet."

Die von Haider und Gesundheitsminister Herbert Haupt geäußerte Vermutung, mit dem Rinderschlachtprogramm wolle die EU nur Platz für Rinder aus den Beitrittsländern schaffen, qualifiziert der EU-Kommissar als "Schauermärchen". Fischler zu "profil": "Wir werden auch im Osten die Produktionsbeschränkungen einführen. Durch die Erweiterung wird der Druck auf die westeuropäische Landwirtschaft nicht größer werden."

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