Wirtschaftsblatt: Kommentar 16.2.2001 Bauerntheater um Lenzing-Verkauf von Erwin Frasl

Wien (OTS) - Gäbe es eine Löwingerbühne für Wirtschaftseinakter, dann müsste man den Lenzing-Verkauf auf den Spielplan setzen. So rührselig sind die Kommentare rund um den Verkauf der Lenzing AG an die Zellulosefaserbeteiligungsgesellschaft mbH, ein Unternehmen der britischen CVC-Gruppe. Da lässt sich der Haupteigentümer, die Bank Austria, zu der Aussage hinreissen, er werde seine 80 Prozent an der Lenzing AG an den Bestbieter verkaufen - und manche wundern sich sogar noch darüber. So nach dem Motto: "Ja dürfen s' denn das."

Offenbar glauben im Wirtschaftsleben einige noch immer, dass Banken alle anderen Ziele verfolgen, nur nicht Waren- und Dienstleistungen zum höchsten Preis zu verkaufen, der am Markt zu erzielen ist. Die Kreisky-Ära lässt grüssen. Und kaum hat die Bank Austria Ernst gemacht und dem Bestbieter ihre Anteile an der Lenzing AG für bares Geld in Höhe von 90 Euro (1238 Schilling) je Aktie verkauft, will der Zweitbeste, eine Investorengruppe rund um den Industriellen Hannnes Androsch, sein Angebot von 80 Euro nachbessern. Das ist ein besonders lustiges Spiel - ich fürchte nur, ausserhalb von Österreich wird kaum jemand darüber sehr herzlich lachen, wenn Ausschreibungen nach dem Motto organisiert werden: "Ich darf so oft nachbessern, bis ich gewonnen habe." Und wenn das alles nichts nützt, wird die rot-weiss-rote Seele beschworen: Verkauft österreichische Unternehmen nur an österreichische Unternehmer. Wunderbar - das wird unseren wirtschaftlichen Bemühungen im Ausland, durch Unternehmenskäufe Fuss zu fassen, förderlich sein. Vor allem, wenn wir an unsere Nachbarländer in Osteuropa denken, die in absehbarer Zeit Mitglieder der Europäischen Union werden. Eines wird allerdings am Beispiel Lenzing AG klar: Banken haben gänzlich andere Interessen als Industrieunternehmen. Das gilt auch für die HypoVereinsbank-Tochter Bank Austria und Lenzing. Das darf man nicht beklagen, das muss man respektieren - und in der Gesetzgebung berücksichtigen. Daher wäre es hoch an der Zeit, in Österreich die Gesetze so zu ändern, dass Banken langfristig überhaupt keine Industriebeteiligungen mehr halten dürfen. Sie sollen sich auf ihr ureigenstes Geschäft konzentrieren. Da haben sie genug zu tun, wie die jüngste Zeit, Stichwort Bank Burgenland, gezeigt hat. (Schluss) ejf

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