Österreichischer Apothekerverband: Arzneimittelausgaben gesundheitsökonomisch gerechtfertigt

Wien (OTS) - Periodisch behaupten verschiedenste Stellen, daß steigende Medikamentenpreise hauptsächlich für die Defizite der sozialen Krankenversicherungen verantwortlich sind. Dies trifft nicht zu:

+ Im Regelfall wird das Verhältnis der einzelnen Ausgabepositionen der Krankenkassen zu wenig beachtet. So betrugen im Jahr 1999 die gesamten Arzneimittelausgaben (eingenommene Rezeptgebühren bereits abgezogen) lediglich 13,4% der Gesamtausgaben der Krankenkassen. Deutlich größeres Gewicht hatten mit 31,6% die Ausgaben für ärztliche Hilfe (inkl. Zahnärzte) sowie mit 27,8% die Ausgaben für die Spitäler.

+ Die Gesamtausgaben der Krankenversicherungen haben sich im Jahr 2000 um voraussichtlich 5,3% auf rund 140 Mrd. S erhöht. Mit einer Steigerung von 5,8% weisen die Ausgaben für die über die öffentlichen Apotheken abgegebenen Medikamente nur eine unwesentlich höhere Dynamik auf. Ein maßgeblicher Grund für die deutlich gebremste Ausgabenentwicklung bei Arzneimitteln ist der im Vorjahr zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und der Apothekerschaft vereinbarte "Solidaritätsbeitrag" (höhere Nachlässe bei steigenden Umsätzen).

+ Wissenschaftliche Studien (zuletzt die im Vorjahr erstellte Arzneimittelpreisstudie des Industriewissenschaftlichen Instituts der Wirtschaftsuniversität Wien) bestätigen immer wieder, daß sowohl das österreichische Preisniveau auf Ebene der Arzneimittelhersteller als auch die Vertriebsspannen des pharmazeutischen Großhandels und der Apotheken lediglich im europäischen Mittelfeld zu finden sind. Ins Spitzenfeld gelangen die Arzneimittel nur durch die Umsatzsteuer, die mit dem Normalsteuersatz von 20% einen der höchsten Werte in Europa aufweist. In den meisten Ländern kommen für Arzneimittel ermäßigte Steuersätze zur Anwendung (zum Beispiel Belgien 6%, Großbritannien 8%, Niederlande 6% und Spanien 4%).

Als Ursachen für die Ausgabensteigerungen der letzten Jahre lassen sich weder ein wesentlich gestiegener Pro-Kopf-Verbrauch von Arzneimitteln noch Preiserhöhungen von gängigen Arzneimitteln heranziehen. Ganz im Gegenteil: Es finden laufend bei diesen Medikamenten Preissenkungen statt (zum Beispiel wurde der Kassenpreis von Renitec 10mg mit 1. 1. 2001 von S 210,-- auf S 143,-- abgesenkt). Die Gründe für das Wachstum liegen in anderen Bereichen:

+ In den letzten Jahren kamen viele neue hochwirksame Medikamente mit entsprechend höheren Preisen auf den Markt. Diese haben Therapiemöglichkeiten eröffnet, die bis dahin noch nicht angeboten werden konnten. Aktuelle Beispiele sind neue Möglichkeiten im Bereich der Behandlung von Multipler Sklerose sowie die In-vitro-Fertilisation, eine Behandlungsmethode für Paare mit Kinderwunsch. Diese zusätzlichen Leistungsangebote der Krankenkassen führen zwangsläufig zu einem Ausgabenanstieg.

+ Laufend werden ältere leistungsschwächere Medikamente durch wirksamere und besser verträglichere Medikamente ersetzt. Diese Umschichtungen führen ebenfalls zu einem deutlichen Ausgabenanstieg. In vielen Fällen tragen sie aber zur Verringerung und Einsparung von wesentlich kostenintensiveren Spitalsaufenthalten bei. Beispiele dafür sind die neuesten Antidepressiva sowie die effizienteren Arzneimittel zur Behandlung von Bluthochdruck, Magengeschwüren und Osteoporose.

+ In den Krankenanstalten wurden seit dem Inkrafttreten der leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung die Ausgaben für Arzneimittel eingebremst. Die ständig sinkende Verweildauer in den Spitälern führt dazu, daß viele Patienten ihre bisher das Spitalsbudget belastenden medikamentösen Therapien außerhalb des Spitals fortsetzen müssen. Die Einsparungen stellen daher zu einem großen Teil nur Kostenverschiebungen vom stationären auf den ambulanten Bereich (öffentliche Apotheken und ärztliche Hausapotheken) dar..

Zusammenfassung: Ausgaben im Gesundheitsbereich müssen gesamtheitlich betrachtet werden.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Apothekerverband
Präsident Mag. pharm. Gottfried Bahr
Tel.: +43 1 404 14 / 300
Fax.: + 43 1 408 62 80
e-mail.: apoverband@aon.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | APO/OTS