"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Wahn ohne Ende" (von Alois Vahrner)

Ausgabe vom 14. 2. 2001

Innsbruck (OTS) - Die Wogen um die von der EU-Kommission zur "Stabilisierung des Rindfleischmarkts" geplanten Maßnahmen gehen nicht nur in Österreich hoch. Bis zu drei Millionen - wohlgemerkt gesunde - Tiere sollen im Verbrennungsofen landen. Die EU-Kommi ssion selbst, die kürzlich noch die Verbrennung als kostengünstigere Lösung anpries, will sich die Hände nun nicht mehr schmutzig machen: Den Mitgliedsländern wird freigestellt, ob sie das Fleisch "unschädlich beseitigen" (man achte auf die Wortschöpfung) oder auf eigene Kosten einlagern. Haken dabei: Eingelagertes Fleisch dürfte auch in Zukunft keinesfalls mehr auf den EU-Markt gebracht werden.

Weil viele Konsumenten Rindfleisch nicht mehr essen wollen, ist unerwünschter Abfall daraus geworden - bestenfalls geeignet für die Erzeugung von etwas Fernwärme oder Strom. Die Bilder von den Rindern, die in den Ofen geschoben werden, gehen bereits um d ie Welt.

Die geplante Massenvernichtung sorgt bei vielen Bürgern für Beklemmung. Der Vorschlag, das Fleisch an die Dritte Welt zu verschenken, klingt schön, ist aber auch nicht leicht umsetzbar. Das würde die lokalen Märkte durcheinanderbringen, fürchten Experten . Auch die Welthandelsorganisation WTO sähe eine solche Überschuss-Verwertung höchst ungern.

Will die EU die Geister, die sie mit einer fehlgeleiteten Turbo-Landwirtschaft gerufen hat, wieder loswerden, muss sie radikal umdenken. Ein System, das Massenproduktion fördert und in dem dann riesige Mengen Getreide, Obst, Wein und jetzt auch Fleisch teuer vernichtet werden müssen, ist widersinnig.

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