"Neue Zeit" Kommentar: "Verräter" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 15. 2. 2001

Graz (OTS) - Es muss kein Land schlachten, wenn es nicht will. Zu dieser Haltung hat sich EU-Kommissar Franz Fischler durchgerungen, nachdem es massive Proteste gegen die Tiervernichtung zur Stützung des in den Keller gefallenen Rindfleischpreises gegeben hat. Eine ordentliche Haltung, weil jedem EU-Land die Entscheidung offen bleibt. Entweder akzeptiert man das Angebot der EU, die bereit ist, Rinder mit einem Alter von mehr als 30 Monaten aufzukaufen, um sie aus dem Markt zu nehmen, oder man lehnt es ab.

Wenn der Vorwurf von Fischler gegen seinen Nachfolger als österreichischem Landwirtschaftsminsiter, Wilhelm Molterer, stimmt, dann will dieser von beiden Optionen profitieren. Den über die geplanten Massenschlachtungen empörten Bürgern erklären, dass er gegen die Tiervernichtung sei, den Bauern hingegen die Möglichkeit offen lassen, die Marktstützung der EU im Notfall trotzdem in Anspruch nehmen zu können. Eine "Hintertür", die der österreichische Landsmann und ÖVP-Parteikollege Fischler offen halten sollte. Weil dieser seine Rolle als EU-Kommissar über jene des österreichischen Patrioten stellen muss, ist Molterer "irritiert" und FPÖ-Konsumentenschutzminister Herbert Haupt stellt ihn überhaupt gleich in das Eck eines "Vaterlandsverräters".

Franz Fischler ist Europäer, von seinen Bedenken gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Österreich bis zu den Maßnahmen gegen die BSE-Krise. Europäer aber sind seit den Sanktionen für die Bundesregierung so etwas wie natürliche Feinde.

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