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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Kapitulation zivilisierter Politik

Utl.: Ausgabe vom 14. Feb. 2001=

Natürlich steht der Mensch allüberall, so auch auf
dem Lande, im Mittelpunkt. Alles politische Bemühen, egal, von welcher Farbe, kreist einzig um diesen Mittelpunkt. So hören wir es tagaus, tagein. Ausnahmen? Nun ja, ein paar gibt es: Die Greißlerei hat schon zu. Postamt und Bahnhof sperren auch. Der Gendarm und der Bezirksrichter packen ihre Koffer. Jetzt soll der Lehrer auch noch gehen und der Pfarrer kommt ohnehin nur alle heiligen Zeiten.
Ja, ja. Der Mensch im Mittelpunkt ist ziemlich allein gelassen. Der Mittelpunkt ist ein schwarzes Loch.
Als der Staat noch bei weitem nicht so reich war wie heute, schickte er Lehrer bis ins letzte Nest, bezahlte den Dorfgendarm, baute Schienen fast in jedes Tal, eröffnete über das Postamt den Zugang in die Welt und schuf über die Bezirksrichter den Zugang zum Recht für alle. Dadurch wurde Hintertupfing auch nicht der Mittelpunkt der Welt, aber ein attraktiver Ort zum Leben. Und diese Attraktivität geht jetzt flöten.
Der Mensch im Mittelpunkt ist teuer und rechnet sich nicht. Das hat man immer schon gewusst. Doch Bildung, Recht und Sicherheit, auch in seinem unmittelbaren Lebensbereich, wurden ihm zugestanden. Heute, nachdem politisches Handeln längst unmodern ist und nur nur noch unternehmerisches Handeln zählt, wird sich auch der Mensch wieder rechnen müssen. Der Mensch ist damit nicht Mittelpunkt der Politik, sondern Kostenfaktor für unternehmerisch denkende Expertengruppen. Lehrer aus dem Dorf abzuziehen, ist die Kapitulation zivilisierter Politik.

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