WirtschaftsBlatt-Kommentar: Banker sind unsterblich (von Engelbert Washietl)

Ausgabe vom 14.2.2001

Wien (OTS) - In österreichischen Aufsichtsräten geht der Plumpsack um oder - um ein moderneres Kinderspiel für den Vergleich heranzuziehen - der Big Brother: Einer muss immer raus. Mindestens einer. Das verlangt die Regie und ist politisch durchschaubar. Im ÖBB-Aufsichtsrat wird geholzt, sein Vorsitzender Helmut Schuster zog am Dienstag die Konsequenz und trat zurück. Im AUA-Aufsichtsrat rührt der neue Chef Johannes Ditz um. Er bringt Leben hinein, wie er sich ausdrückt, aber einer stirbt immer. Also wird Beppo Mauhart aus dem Sessel gekippt. In den Besetzunglisten scheinen aber auch unveränderliche Positionen auf, Fixsterne gewissermassen. In Excel-Dokumenten auf dem PC verwendet man zur Markierung ihrer Unverrückbarkeit das $-Symbol. Wie passend: Banker bleiben immer erhalten. Sie haben andere Gene als Normalsterbliche. Im AUA-Vorstand hielt bisher das Dreigestirn Randa (BA-CA), Elsner (Bawag) und Rothensteiner (RZB) einen sicheren Stimmenanteil von 12,77 Prozent. Schon glaubte man, BA-Chef Randa werde jetzt aus dem Klub hinaus geführt, aber schon kommt er durch eine andere Tür wieder herein. Er wird auf dem ÖIAG-Ticket für den Aufsichtsrat nominiert. Das Dreigestirn bleibt also erhalten. Ähnlich bei den Bundesbahnen. Dass Elsner, Hampel (CA), Koren (PSK) oder Püspök (RLB NÖ/Wien) einen Platzverweis bekommen könnten, ist unrealistisch. Klar - ohne Banken und deren Geld geht nichts. Der zweite Teil der Wahrheit wird gern verschwiegen: In Österreich geht ohne Banken noch viel weniger, als man glaubt. Die Dominanz des Banksektors lässt sich bis in die Monarchie zurückverfolgen. Die machtvolle Präsenz der Banken in allen Räten, Konsortien, staatlichen und halbstaatlichen Gremien prägt die Wirtschaftspolitik. Banker sind, wie jedermann erwartet, seriös, sie handeln überlegt, sie sichern die Interessen zumindest ihrer Institute dreifach ab und hassen das Risiko. Der Bank Burgenland-Skandal ist kein Gegenbeweis, sondern eine rare Ausnahme. Diese Grundhaltung der heimischen Bankenelite färbt auf die gesamte Wirtschaft ab, nicht nur deren staatliche Komponente. Das System unauflösbarer Zusammenhänge ist berechenbar, konservierend, kurzfristig risikoarm, gegen Abstürze gefeit. Aber innovativ ist es nicht. (Schluss) was

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