Pharmaindustrie: Politisches Kleingeld verdienen reicht nicht!

+++Die Pharmaindustrie ist nicht mehr länger bereit, als "Prügelknabe" des Gesundheitswesens dazustehen und fordert von Bundesminister Haupt, endlich den Mut aufzubringen, der heimischen Bevölkerung reinen Wein einzuschenken, ob sie weiterhin auf eine hochstehende gesundheitliche Versorgung vertrauen darf oder ob die politischen Weichen in Richtung "Billigmedizin und sonst nix" gestellt werden.+++

(Wien/OTS) Die Pharmig, Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen, hat im Rahmen einer Pressekonferenz heute, Dienstag, Bundesminister Mag. Herbert Haupt aufgefordert, die seit Jahren laufende Hetzkampagne gegen die pharmazeutische Industrie endlich zu beenden. Es gehe nicht an, so die Pharmig, dass die ebenso seit Jahren bestehende Diskussion zur finanziellen Situation der Sozialversicherung allein auf den Rücken der Pharmaindustrie ausgetragen werde. Seit 1996 hat die Pharmaindustrie im Rahmen zweier sogenannter "Sparpakete" 1,6 Milliarden Schilling zur Sanierung der Kassen beitragen müssen, was den Kassen bislang mehr als 2,6 Milliarden Schilling gebracht hat. Bis 2001 wird sich der Beitrag der Industrie auf insgesamt mindestens 3,3 Milliarden Schilling (für die Krankenkassen bringt dies 5,7 Milliarden Schilling) erhöhen. Weitere Preisdämpfungsmaßnahmen, wie sie derzeit gehandelt werden ("Es sind noch zehn Prozent drinnen!", Zitat BM Haupt im Kurier vom 12.2.01) sind unrealistisch und lassen den Schluss zu, dass seitens der Regierung versucht wird, auf den ersten Blick via Arzneimittel, auf den zweiten Blick aber zu Ungunsten der Patienten, politisches Kleingeld verdienen zu wollen.

Zwt.: Österreicher müssen selbst entscheiden: VW Golf oder Mercedes?

Die Pharmig fordert den Minister daher auf, auch öffentlich zuzugeben, dass die Gesundheitsausgaben, die in Österreich mit 8,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu anderen, ebenso reichen Ländern, relativ mager erscheinen, schon allein im Lichte der demographischen Entwicklung wachsen werden müssen, will man ein qualitativ hochwertiges Gesundheitswesen erhalten und den heimischen PatientInnen auch in Zukunft eine medizinisch sinnvolle und ökonomisch vernünftige State-of-the-Art-Versorgung anbieten. Die andere Variante wäre, dass Haupt sich ebenso öffentlich zu einem Umbau des Gesundheitswesens hin zu einer "Billigmedizin" bekennen möge, bei der ganz einfach nicht "jeder alles haben kann". Jedem Österreicher ist zweifellos klar, dass man einen Mercedes nicht um den Preis eines VW Golf erwerben kann. Daher ist eine offene und vor allem ehrliche Diskussion um die langfristige Finanzierung des Gesundheitssystems mit den BürgerInnen angesagt. Nur die BürgerInnen können entscheiden, "mit welchem Auto sie fahren wollen".

Der Regierung, so die Pharmig, müsse weiters klar sein, dass so weitreichende und sensible Bereiche wie das Gesundheitswesen nicht nur einen Horizont "bis zur nächsten Wahl" haben dürfen. Die Pharmig fordert seit mehr als zehn Jahren die Schaffung eines zukunftsorientierten Integrierten Gesundheitssystems, bei der einzig und allein der Mensch im Mittelpunkt stehen muss und nicht politischer Opportunismus.

Zwt.: Konsequenzen einer irr geleiteten Politik

Arzneimittel machen - Stand 1999 - 13,39 Prozent der Ausgaben der Sozialversicherung aus. Eine zehnprozentige Reduktion dieses Aufwandes würde keinen nachhaltigen Beitrag zur Defizit-Vermeidung bringen, meint die Pharmig. Sie würde jedoch die reibungslose Versorgung der Österreicherinnen und Österreicher mit modernen und hochwertigen Arzneimitteln stark beeinträchtigen und zu Qualitätseinbrüchen im bisher ausgezeichneten Leistungsspektrum der Krankenkassen führen.

Weiters steht die Versorgung der ÖsterreicherInnen mit modernen und innovativen Arzneien auf dem Spiel. Schon heute stehen wegen der rigiden Preispolitik des Hauptverbandes den Bürgern modernste Therapien wesentlich später als in anderen Ländern "auf Kassenkosten" zur Verfügung. Drückt man den Preishebel weiter nach unten, werden viele Arzneimittelfirmen wohl oder übel aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus so manches Präparat, das lebensrettend für viele Menschen sein könnte, in Österreich nicht mehr zur Verfügung stellen können.

Ein weiterer Aspekt betrifft in diesem Zusammenhang die Wirtschaftskraft der pharmazeutischen Industrie, die auch in Österreich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber ist. Es verwundert, dass Staatssekretär Waneck erst vergangene Woche bei einer Veranstaltung des "Handelsblattes" in Wien gerade die Wirtschaftskraft des Gesundheitssektors als Wachstumsbranche positiv hervorgehoben hat, andererseits die Regierung durch ihre Politik aber riskiert, dass heimische Unternehmen schließen müssen oder ins Ausland abwandern und damit hochqualifizierte Arbeitsplätze unweigerlich verloren gehen.++/rm
(Fortsetzung möglich)

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