"Neue Zeit" Kommentar: "Gretchenfrage" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 12. 2. 2001

Graz (OTS) - Sieht man von den macht- und gesellschaftspolitischen Attacken auf das System der österreichischen Sozialversicherung, wie den Abschuss von Hans Sallmutter und die Zerschlagung der Selbstverwaltung, einmal ab, wurden in den vergangenen Wochen zahllos Vorschläge zur Sanierung gemacht und ebenso zahllos verworfen. Wobei Für und Wider quer durch Parteien und Intessensvertretungen gehen. So viele Möglichkeiten gibt es realistisch betrachtet jedoch gar nicht. Stellt man nämlich außer Streit, dass die Leistungen aufrecht bleiben, also die medizinische Versorgung nicht schlechter werden soll, bleiben seriös nur zwei Möglichkeiten übrig: Beitragserhöhung oder noch höhere Selbstbehalte. In beiden Fällen würden die Versicherten zur Kasse gebeten, jedoch mit einem ganz gravierenden Unterschied. Beitragserhöhungen verteilen die Last auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber ebenso wie auf gesunde und kranke Menschen. Höhere Selbstbehalte träfen ausschließlich die Kranken, in den meisten Fällen Pensionisten, die finanziell ohnhein nicht auf Rosen gebettet sind.

Angesichts dieser Möglichkeiten ist die grundsätzliche Ablehnung der Idee einer Volksbefragung zu Beitragserhöhungen nicht ganz verständlich. Die Gretchenfrage lautet, ob jemand den Gegenwert von zwei Krügel Bier pro Monat mehr für die medizinische Versorgung zahlen, oder den Anspruch auf bestmögliche Behandlung im Krankheitsfall verlieren will. Die Antwort sollte eigentlich eindeutig ausfallen.

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