EU-Kandidatenländer sollen Strategien der Nachhaltigkeit anwenden

Brinkhorst: Nachfrage bestimmt die Orientierung der Agrarpolitik

Wien, 12. Februar 2001 (AIZ). - Die durch BSE und Lebensmittelskandale verursachte Agrar- und Lebensmittelkrise war auch Thema des niederländischen Landwirtschaftsministers Laurens Jan Brinkhorst bei der Wintertagung des ökosozialen Forums. "In Zukunft wird die Nachfrage wesentlich stärker als das Angebot die Orientierung der Agrarpolitik bestimmen", betonte er. Er legte als Vertreter eines Landes mit bekannt intensiver Landwirtschaft den Akzent auf den "Markterfolg". Er streute aber auch der österreichischen Landwirtschaft Rosen und hob die Bedeutung der multifunktionalen und nachhaltigen Bewirtschaftung hervor. Er beneide Österreich für seine Lage "im Herzen eines Zentraleuropas", welches einen Knotenpunkt für wirtschaftliche Aktivitäten darstelle. ****

Auch für Brinkhorst ist die vollständige Übernahme des acquis communautaire die Grundvoraussetzung für den EU-Beitritt. "Mit Fragen nach der Höhe des Marktpreises, der Quote und der Einkommenszahlungen vernachlässigen wir die Lebensmittelsicherheit, die veterinär- und phytosanitären Standards und den Umweltschutz", meinte der Niederländer. Die Kandidatenländer müssten "mehr Nachhaltigkeit" in ihrer Agrarwirtschaft miteinberechnen, da die Verbraucher es so wollen. Auch die Niederlande müssten sich die Fehler der Vergangenheit eingestehen, sagte Brinkhorst. Die Vernachlässigung der Umwelt hätte zu "ökologischen, ökonomischen und sozialen Schwierigkeiten" geführt. Seiner Ansicht nach könne eine gezielte Markenpreispolitik die ökologische Nachhaltigkeit fördern.

Kritik an den derzeit die deutsche Landwirtschaftspolitik dominierenden Schlagworten wie "small is beautiful", Extensivierung, biologischer Landbau und multifunktionelle Landwirtschaft übte Brinkhorst aber auch. Konzepte wie die der neuen deutschen Landwirtschaftsministerin Renate Künast, eigneten sich "nur begrenzt oder überhaupt nicht als Anleitungen für die EU-Beitrittskandidaten", zeigte sich der holländische Minister überzeugt. Eine Ausweitung der Direktzahlungen an die europäischen Bauern in den künftigen EU-Ländern lehnte Brinkhorst ab. Das dadurch eingesparte Geld solle eher in die "Marktorientierung und eine wettbewerbsorientierte Agrarstruktur" gehen. Außerdem hält er es für klüger, jetzt eine Umgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vorzunehmen, um eine Gleichstellung mit den Kandidatenländern zu erreichen.
(Schluss) ek

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

http://www.aiz-pressedienst.com
FAX: (01) 535 0438Rµ

AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, e-Mail: pressedienst@aiz-in.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ/AIZ