Faymann: Ökologischer Wohnbau ist billiger

Präsentation des 1. mehrgeschossigen Holzwohnbaus in Wien

Wien, (OTS) "Wir haben die Wiener Bauordnung so abgeändert, dass in Zukunft die Möglichkeit besteht Holz im Wohnungsbau verstärkt als Baustoff einzusetzen. Dies ist das Ergebnis einer
ca. 3-jährigen Diskussion zwischen Brandschutzexperten, Feuerwehr und Baufachleuten." Über dieses gemeinsame Ergebnis freut sich Wiens Wohnbaustadtrat Werner Faymann deshalb, da das wichtigste
Ziel die Gewährung der Sicherheit der Bewohner sei. Daher mussten, so Faymann, vor Beschlussfassung alle Fragen, vor allen jene des ausreichenden Brandschutzes, gelöst sein.

"Ökologischer Wohnbau ist kurz- und langfristig billiger !" Auf diese Kurzformel, so Wohnbaustadtrat Werner Faymann, kann man die rasante Entwicklung des Umweltstandards im Wiener
Wohnungsneubau der letzten Jahre bringen. Stadtrat Faymann: "Was
vor wenigen Jahren von den meisten Bauträgern als unmöglich und unfinanzierbar angesehen wurde, ist in kürzester Zeit durch Vorgaben der Stadt zum Standard im Neubau geworden. Trotz der deutlichen Verbesserung der ökologischen Qualität des Wohnbaus konnten gleichzeitig die Baukosten gesenkt werden."

Mit der im Dezember im Wiener Gemeinderat beschlossenen
Novelle der Wiener Bauordnung, wurden nun die Voraussetzungen geschaffen, in Zukunft beim Wohnbau den Baustoff Holz in verstärkten Ausmaß einzusetzen. Dies, so der Wiener Wohnbaustadtrat, ist nicht nur ein weiterer Schritt zur Ökologisierung des Wiener Wohnbaus, sondern auch ein zusätzlicher Beitrag zum Klimaschutz in Österreich.

Holzbauweise im mehrgeschossigen Wohnbau

Die bautechnischen Bestimmungen der Bauordnung für Wien, insbesondere jene, die einen ausreichenden Brandschutz gewährleisten sollen, wurden mit der "Techniknovelle" im Dezember 2000 dem neuesten Stand der Technik angepasst. Dem ist eine intensive Diskussion der Baufachleute mit der Feuerwehr und Brandschutzexperten vorangegangen. Damit sollte eine höhere Produktneutralität der Bauordnung erreicht werden. Dadurch kann
der Baustoff Holz nun auch vermehrt für mehrgeschossige Wohnbauten eingesetzt werden.

War die Errichtung von Wohnhäusern in Holzbauweise bisher nur bei ebenerdigen Gebäuden, Gebäuden der Bauklasse I und Gebäuden im Grünland möglich, kann jetzt durch die Änderung der Bauordnung für Wien (Techniknovelle) der Baustoff Holz auch im mehrgeschossigen Wohnbau eingesetzt werden.

Entsprechend dem Fortschritt der Technik und in Hinblick auf die flächenmäßige Begrenzung von Brandabschnitten können in Zukunft Wohnbauten bis zu drei Geschossen und einem Dachgeschoss
in Holzbauweise errichtet werden. Wenn das Erdgeschoss aus
massiven Baustoffen ausgeführt ist, ist auch die Errichtung eines vierten Hauptgeschosses mit Außenwänden aus Holz möglich. Die äußeren Abschlüsse des Dachgeschosses müssen in diesem Fall unbrennbar sein oder - um einen Brandüberschlag vom obersten Hauptgeschoss auf das Dachgeschoss zu verhindern - zurückversetzt sein. In Gebäuden mit mehr als zwei Hauptgeschossen müssen die Außenwände hochfeuerhemmend und an der Außenseite zumindest schwer brennbar sein. Trennwände und tragende Scheidewände müssen ebenfalls hochfeuerhemmend ausgeführt werden. Das Gebäude ist durch feuerbeständige Wände und Decken so in Gebäudeabschnitte (Brandabschnitte) zu unterteilen, dass zwischen diesen, beziehungsweise den Außenwänden, Geschossflächen von insgesamt maximal 1.000 m² (auch verteilt über mehrere Geschosse) entstehen. Bei Anordnung einer automatischen Löschanlage (Sprinkler) sind Flächen in größerem Ausmaß zulässig, wobei das Auslösen der Anlage eine Alarmierung der Feuerwehr und der Bewohner des Gebäudes bewirken muss.

Die an der Techniknovelle beteiligten Experten, auch jene der Feuerwehr, waren sich einig, die in Holz ausgeführten Hauptgeschosse mit 3 Stockwerken zu begrenzen, um auch im
Brandfall die Sicherheit der Bewohner maximal zu gewährleisten.

Holz als Baustoff

Der Anteil von Holzbauten am gesamten europäischen Wohnbauwesen, mit Ausnahme Skandinavien, ist derzeit fast vernachlässigbar gering. In Zahlen ausgedrückt heißt dies für Österreich, dass etwa 3 % aller Ein- und Zweifamilienhäuser und nur ca. 0,2 % aller Mehrfamilienhäuser derzeit aus Holz errichtet werden. Bisher galt Holz als bautechnisch zu wenig geeignet. Für das subjektive Empfinden der Menschen strahlte Holz zu wenig Sicherheit und Schutz aus. Und auch die gesetzlichen
Voraussetzungen hemmten bislang den großzügigeren Einsatz von Holz im mehrgeschossigen Wohnbau.

Bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten gegen die globale Erwärmung einerseits und die Erschöpfung der fossilen Energiequellen andererseits wurde auch die Erforschung des Werkstoffes Holz intensiviert. Damit wurden die technischen Voraussetzungen für den Holz-Einsatz in größeren Wohnbauten geschaffen, was nun auch in der modifizierten Bauordnung (=Techniknovelle) berücksichtigt wird. Dadurch können die schon bisher unbestrittenen ökologischen Vorzüge des Holzes die Umweltprobleme verstärkt lösen helfen.

Zu den ökologischen Vorteilen des Holzes zählen seine Ressourcenschonung durch Nutzung von erneuerbaren Rohstoffen, die Reduktion der Emissionen und sein geschlossenes Stoffkreislaufsystem. Beispielsweise kann der Baustoff Holz nach
dem Ende seiner Produktlebensdauer umweltfreundlich energetisch verwertet werden. Ein weiterer ökologischer Vorteil des Baumaterials Holz ist die Sicherung des Ökosystems Wald und damit der Schutz der heimischen Kulturlandschaft sowie der
Artenvielfalt.

Umwelttechnologien im Wohnbau im Vormarsch

Ökologischer Wohnbau reduziert sich in Wien schon lange nicht mehr auf wenige Einzelprojekte, sondern ist Voraussetzung, um überhaupt Förderungsmittel der Stadt zu bekommen. Daher haben alle geförderten Projekte Niedrigenergiehausstandard. Dies bedeutet, dass im Vergleich zum Wohnbau bis Mitte der 90iger Jahre etwa 40 % des Energiebedarfs für Raumwärme eingespart werden. Aber auch der Einsatz von innovativen Umwelttechnologien in Wohnprojekten, die früher nur im experimentellen Wohnbau zum Einsatz kamen, hat sich enorm erhöht. Abluft- und Abwasserrückgewinnung, Wärmepumpen, Solaranlagen, Brauchwassersysteme, Klimafassaden, Wasserzähler und Dachgärten etc. sind immer häufiger Bestandteil der eingereichten Projekte. Seit 1999 dürfen darüber hinaus im geförderten Wohnbau keine Baustoffe mit klimaschädlichen Chemikalien eingesetzt
werden.

Wohnbaustadtrat Faymann: "Die Wettbewerbe haben natürlich keine neuen Technologien erfunden. Diese gab es zum Großteil auch schon vorher, jetzt werden sie auf breiter Ebene genutzt."
(Schluss) wj/

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