- 11.02.2001, 16:55:51
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Pressestimmen/Vorausmeldung/Innenpolitik=
"Presse"-Kommentar: Ein ganz normaler Ski-Gast? (von Andreas
Unterberger)
Ausgabe vom 12. Februar 2001
Wien (OTS). Es war ein tolles Fest, es war ein sympathischer Besuch.
Gewiß
Grund für die österreichische Seele, mit dem Wochenende besonders
zufrieden zu sein. Wer etwa die Ski-WM im deutschen Fernsehen
verfolgt hat, wurde sich erst voll bewußt, welch superbe Österreich-
Werbung Sankt Anton bedeutet hat. Die Begeisterung der Massen, eine
perfekte Organisation - selbst die Föhn- und Schneeprobleme waren
zuletzt vergessen - und die Erfolge der heimischen Fahrer mixten
einen idealen PR-Drink. Daß sich dazu auch noch der russische
Präsident mit einem intensiven Besuch gesellte, machte das Glück
perfekt. Wladimir Putin ist gewiß kein Showmann, sein unprätentiöses
Auftreten beeindruckt aber rasch.
All das war so schön, daß man kaum wagt, die kleinen Fragezeichen zu
erwähnen, die einem am Rande in den Sinn kommen. Was hat etwa den
Nationalratspräsidenten geritten, daß er bei den Gesprächen mit den
Gästen aus Moskau von sich aus die Neutralität zum Thema gemacht und
versichert hat, daß ohnedies keine Änderung geplant sei? Sind wir
noch immer nicht so weit, daß das einzig Angelegenheit Österreichs
ist, über die man nicht vor fremden Potentaten zu referieren hat?
Warum führt Thomas Klestil seinen Gast ins gemeinsame Haus seiner
beiden Lieblingsmedien ORF und Krone? Was ist das nur für eine
Einstellung, daß Staats- und Regierungschefs aus der Slowakei,
Lettland und Slowenien neben dem Gast aus Rußland nicht zur Kenntnis
genommen werden? Sollte nicht gerade für Österreich die
Gleichbehandlung von Großen und Kleinen absolutes Grundprinzip sein?
Noch viel weniger fragt man sich hierzulande, warum ist Putin
eigentlich gekommen? An Einladungen mangelt es ihm ja nicht. Waren
ein paar Stunden Skifahren am Arlberg, alte Österreich-Sympathien
aus früheren KGB-Urlaubszeiten wirklich das entscheidende Motiv?
Oder war die so begeistert aufgenommene Visite in Wahrheit Teil
einer Charme-Offensive, die das Zusammenwachsen der westlichen
Sicherheits-Strukturen behindern soll?
Natürlich kann man auch aufs Fragen verzichten und sich mit der
Überzeugung begnügen: Wir sind die Besten und alle haben uns lieb.
Rückfragehinweis: Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
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