Westeuropa exportiert seine Agrarkrisen

Wintertagung 2001 zu EU-Erweiterung

Wien, am 11. Februar 2001 (OTS) - Anlässlich der traditionsreichen Wintertagung unter dem Titel "EU-Erweiterung - Probleme, Herausforderungen und Chancen" fordert der WWF Österreichs Spitzen der Agrarpolitik auf, die Herausforderungen auch tatsächlich anzunehmen. "Seit dem EU-Beitritt 1995 musste die österreichische Landwirtschaft einen Intensivierungsschub durchmachen," bilanziert Mag. Simone Lughofer, WWF-Agrarexpertin "Das heißt: 1.200 Großbetriebe mehr und fast 10.000 bäuerliche Betriebe weniger. Derzeit werden wir angesichts von BSE und Antibiotikaskandal mit den Auswüchsen dieser Agrarpolitik schmerzlichst konfrontiert." Die Wintertagung vereint ab Montag, 12. Februar eine Woche lang die Spitzen der österreichischen Agrarpolitik, darunter Landwirtschaftsminister Molterer und EU-Landwirtschafts-Kommissar Fischler.

Im Rahmen der EU-Erweiterung werden jetzt die Weichen gestellt. "Lebendige ländliche Strukturen, wie wir sie derzeit noch bei vielen Beitrittskandidaten vorfinden, müssen erhalten bleiben," so Lughofer "Wir dürfen nicht zulassen, dass auch hier wieder Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren und damit gleichzeitig für Europa einzigartige Naturschätze zerstört werden." 90 Prozent der 46 Mrd. Euro Agrar-Förderungen gehen in der EU derzeit in Preisausgleichszahlungen - diese sind an Betriebsgröße und Tierbestand gebunden - nur 10 Prozent fließen in die Ländliche Entwicklung, zum Aufbau regionaler Märkte sowie für Naturschutz, bäuerliche Innovation und Kooperation. "Ein dramatisches Missverhältnis!" stellt Lughofer hier fest.

Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik

Der mit der Agenda 2000 begonnene Reformprozess darf nicht bis zur nächsten Zwischenbilanz im Jahr 2003 oder gar bis zu deren Gesamtüberarbeitung 2006 aufgeschoben werden. "Ab sofort müssen die zuständigen Agrarminister sich ihrer Verantwortung bewusst werden und den Reformprozess zeitgerecht einleiten," betont Lughofer "Das Missverhältnis zwischen Preisausgleichszahlungen und Ländlicher Entwicklung muss auf 75 Prozent zu Gunsten der Ländlichen Entwicklung korrigiert werden. Deutschland wird nicht auf Österreich warten, die Wintertagung ist Chance und Herausforderung zugleich."

Großbetriebe: von 50 Hektar bis über 200 Hektar
Durchschnittliche österreichische Betriebsgröße 1995: 32 Hektar

Weitere Informationen:
Monika Mörth, WWF Presseabteilung, 0676/325 1938

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