DER STANDARD-Kommentar: "Schwacher Euro mit hartem Kern: Gemeinsame Europa-Währung hat sich als Motor der Integration bewährt" (von Günter Baburek) - Erscheinungstag 7.2.2001

Wien (OTS) - Die Optik ist nicht gerade bestechend: Je näher der Tag rückt, an dem der Euro in Österreich auch physisch Gestalt annehmen wird - Währungseinheit ist er, von den meisten unbemerkt, bereits seit Anfang 1999 -, desto skeptischer steht die Bevölkerung dem neuen Geld gegenüber. Signalisierten vor einem Jahr noch 60 Prozent der Österreicher ihre Zustimmung zur gemeinsamen europäischen Währung, so waren es zuletzt nur noch 48 Prozent.

Die ursprüngliche Euphorie, die mit der Einführung einer Europa-Währung verbunden war, ist verflogen. Der Grund dafür ist die schlechte Performance des Euro im Vergleich zum US-Dollar. Am Tag seiner Einführung Anfang 1999 waren für ihn 1,17 Dollar zu zahlen. Zuletzt war er bereits um 94 US-Cent zu haben. Und im Oktober vergangenen Jahres, auf dem Tiefpunkt seiner Entwicklung, wurde er gar nur mit 83 Cent gehandelt.

In dieser Phase hat sich der Euro vor allem in Ländern wie Österreich und Deutschland, die an harte Währungen gewöhnt sind, den Ruf einer Junk-Währung erworben. Nicht ganz zu Recht, denn der Außenwert einer Währung ist nur die eine Seite der Medaille. Zumindest genau so wichtig ist der innere Wert, der am Tempo der Preisentwicklung gemessen wird. Und hier braucht sich der Euro durchaus nicht verstecken. Die Inflationsraten sind in fast allen Euroländern trotz durchaus ansprechender Konjunktur zurückgegangen. Der Euro ist auf diese Weise zum Symbol für innere Preisstabilität geworden.

Aber auch bei dem stärker im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden Außenwert der Europa-Währung besteht kein Grund zur Beunruhigung. Denn erhebliche Schwankungen im Verhältnis des US- Dollars zu europäischen Währungen - auch zu den so genannten Hartwährungen wie D-Mark, Schilling oder Hollandgulden - hat es immer wieder gegeben. Viele werden sich nicht mehr daran erinnern, aber auch Mitte der 80er-Jahre mussten für den Dollar 16 bis 17 Schilling (und adäquate Beträge in D-Mark oder Hollandgulden) auf den Tisch gelegt werden. Erst in der Folgezeit wurde der Dollar wieder schwächer, um ab Mitte der Neunzigerjahre neuerlich zu erstarken.

Die Gründe für die Verschiebung in den Währungsrelationen sind unschwer auszunehmen: Die Wirtschaft der USA wuchs in den letzten Jahren deutlich stärker als die europäische, was einen erheblichen Geldabfluss in Richtung Vereinigte Staaten und damit eine Stärkung der US-Währung bewirkte. Erst mit der Annäherung der Wachstumsraten in jüngster Zeit konnte der Euro wieder Tritt fassen.

Dass die gemeinsame Europa-Währung von der Mehrzahl der Nationalökonomen trotz aller Schwächen im Außenwert als Erfolg betrachtet wird, hängt mit den Zielen ihrer Einführung zusammen. Der Euro war - darüber herrscht Übereinstimmung - weniger ein dringendes Bedürfnis der Wirtschaft als eines der Politik. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands verschoben sich die Gewichte in Europa in Richtung Osten, was besonders in Frankreich Ängste auslöste. Um die Situation zu beruhigen, raffte sich Deutschland zu einer großzügigen Geste auf: Berlin opferte das Symbol seiner Stärke, die D-Mark, auf dem Altar einer weiteren Integration Europas. Der Hebel dazu war der Euro.

Und tatsächlich rückte Europa zusammen. Die Inflationsraten in den einzelnen Euroländern kamen einander ebenso näher wie die Arbeitslosen- oder die Wachstumsraten. Geradezu ein Paradigmenwechsel fand auf dem Gebiet der öffentlichen Finanzen statt. Mit der durch den Vertrag von Maastricht in Verbindung mit dem Stabilitätspakt erzwungenen Budgetkonsolidierung kamen die Haushalte der Mitgliedsländer allmählich wieder ins Gleichgewicht, die Staatsschulden wurden schrittweise abgebaut. Ohne die strengen Vorgaben durch den Euro wäre dieses Ziel wohl in kaum einem der zwölf Euroländer erreicht worden. Zumindest nicht in diesem Tempo.

Nach den Wahlen

Gudrun Harrer

3z,Post festum - so es als solches zu bezeichnen ist - bleibt nur die Frage, wie es weitergeht. Die Araber innerhalb und außerhalb Israels wiederholen wie eine Beschwörungsformel, dass es ja schließlich der Likud war, der den ersten Frieden mit einem arabischen Land, Ägypten, geschlossen hat. Das stimmt, etwas davon für die Gegenwart abzuleiten ist jedoch ungenau: Israel erhob nie Anspruch auf ägyptisches Land, wie es Anspruch auf palästinensisches Land stellt, der Rückzug damals war kein ideologisches Problem. Deshalb hängt das Oslo- Lager innerhalb und außerhalb Israels nun der Hoffnung an, dass die Ära Sharon nicht lange dauern werde: Auch er hat keine Zauberformel, um die Intifada in den Griff zu kriegen, und auch er wird in der unveränderten Knesset mit religiösen Parteien raufen müssen - wenn auch der Konflikt nicht programmiert ist, wie er das für die Regierung der Arbeiterpartei war.

Diejenigen Palästinenser und Israelis, die den Oslo-Friedensprozess immer schon abgelehnt haben, fürchten auch den prognostizierten Showdown nicht: Für Erstere kann es viel schlimmer nicht kommen (das bestätigen Beobachter, die zuletzt in Westjordanland und Gaza waren). Und die israelischen Gegner von Zugeständnissen an die Palästinenser sind hochzufrieden, wenn man mehr oder weniger zum Start zurückkehrt.

Gespaltene Gefühle rufen die israelischen Araber hervor, von denen so viele auf die Ausübung ihrer politischen Rechte verzichtet haben. Emotional kann man sie verstehen: Nicht nur ihre Toten bei den Demonstrationen im Herbst, auch das Faktum, dass er das zwiespältige Verhältnis des israelischen Staates zu ihnen nicht zu klären versucht hat, stand zwischen ihnen und Barak. Aber es gibt auch so etwas wie politische Strategie. Die israelischen Araber haben darauf verzichtet - und dadurch Sharon das Siegen nicht nur leichter gemacht, sondern sich auch von der politischen Bühne katapultiert.

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