WirtschaftsBlatt - Kommentar: "OMV-Diamant im Staatsbesitz" von Engelbert Washietl

Ausgabe vom 7.2.2001

Wien (OTS) - Der Generaldirektor des Energie- und Chemiekonzerns OMV, Richard Schenz, verspricht den Aktionären eine Superdividende für das Jahr 2000. Er stellt freilich zugleich die Frage nach der Zukunft des Unternehmens, das noch immer zu 35 Prozent in staatlicher Hand ist. Was soll mit dem ÖIAG-Anteil geschehen? Der Staat hat die expansive Entwicklung der OMV, deren Erfolg ja nicht bloss auf die hohen Erdölpreise zurück zu führen ist, offenbar nicht behindert. Andererseits nützt die Staatsnähe aber gar nichts, wenn es darum geht, die kleinen Königreiche von Landesgesellschaften zu einer Kooperation angesichts der scharfen Konkurrenz auf dem liberalisierten Gasmarkt zu bewegen. Was also? Schenz wäre es am liebsten, wenn der ÖIAG-Anteil an der OMV so privatisiert würde, dass er in privaten österreichischen Händen bliebe. Das ist ein wohlgemeinter, aber auch frommer Wunsch. Ein nationales Ethos österreichischer Unternehmerfamilien ist in Einzelfällen nicht zu leugnen, wurde aber in kollektiver Form kaum je sichtbar. Wobei sich ja auch sofort die technische Frage stellte, wie man österreichische Kernaktionäre institutionell davon abhalten kann, es sich einmal anders zu überlegen. Kommt ein Engagement für das Schlüsselunternehmen OMV freiwillig zu Stande, dann ist es jederzeit widerrufbar. Erzwingt man auf irgend eine Weise die Österreich-Klausel nach der biederen Art "Kauft österreichische Qualität", dann ist das keine echte Privatisierung mehr, schon gar keine Liberalisierung. Wenn einem Riesenkonzern im Zuge der Privatisierung restriktive Auflagen gemacht werden, so kommt ein anderes und sehr einfaches Gesetz zu Wirkung: Man kann weder halb Jungfrau noch halb schwanger sein, wohl aber halb tot. Ein Unternehmen, das sich an der Börse dem freien Spiel der Geldmächte stellt, darf sich gar nicht darauf einlassen, im Märchenreich wirtschaftlicher Expansion eine bestimmte Tür nicht öffnen zu dürfen, weil dahinter der böse Zauberer wohne. Private Kernaktionäre aufzulisten kann also bestenfalls den Schock des Entstaatlichungsvorgangs mildern, aber die Liberalisierung auf Dauer nicht verhindern. So wird man sich seriöser Weise auch fragen dürfen, ob die 35 Staatsprozente tatsächlich an der OMV hängen wie ein Klotz am Bein, so dass eiliger Handlungsbedarf besteht. (Schluss) wash.

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