Österreichische Gesellschaft für Ernährung - Thema des Monats Februar 2001

BSE - Katastrophe und Chance zugleich?

Wien (OTS) - Die Vorstellung, nach Genuss von Rindfleisch an einer tödlichen Gehirnerkrankung zu sterben, verunsichert den Konsumenten zweifelsohne. Um so mehr, als nicht einmal die Wissenschaft klar Auskunft geben kann, was an all den Gerüchten wirklich wahr ist. Tatsache ist, dass Menschen an einer Erkrankung sterben mussten, dessen pathologisches Substrat jenem stark ähnelt, das bei Rindern zum Tod führt.

Gesetzgeber, Konsumetenschutzorganisationen und europäische Experten können nur Empfehlungen abgeben. Klare Worte bleiben sie zur Zeit noch schuldig. Neben Strategien in der Tierseuchenbekämpfung und einer umfassenden Informationspolitik müssen dem Konsumenten Alternativen angeboten werden, die ihm ein Recht auf sichere Lebensmittel geben.

Ernährungsexperten begrüßen die vorhandene Krise am Fleischsektor zwar nicht, zeigen allerdings sehr wohl auf, dass aus der Sicht der Ernährungswissenschaft in unseren Breiten zu viel Fleisch gegessen wird. Mehr Obst und Gemüse in ausgewogenem Verhältnis zu tierischem Eiweiß werden empfohlen.

Selbst manche Verantwortlichen im Agrarbereich sehen die momentane Situation als möglichen Wendepunkt und Anlass, Landwirtschaftspolitik neu zu überdenken und Verhältnismäßigkeiten zu überprüfen. Kann es denn sein, dass ein Kilo Schweinefleisch weniger kostet als ein Kilo Gemüse?

Bio-Erzeugerbetriebe fühlen sich in ihren Bemühungen und ihrer Arbeit nach Jahren schwerer Arbeit zu Recht bestätigt und pochen auf ihre "sicheren" Produkte.

Der Handel, und mit ihm die Fleischindustrie, hat auf die "BSE-Krise" insofern reagiert, dass neben den klassischen Wurstwaren, die mit Rindfleisch produziert werden, neue "innovative" Produkte auf ausschließlich Schweinefleisch- und Geflügelbasis hergestellt werden. Selbstverständlich bedarf es umfassender Prüfungen, um letztendlich die Verkehrsfähigkeit für diese neuen Produkte zu erlangen. Den zuständigen Untersuchungsanstalten stehen bewährte Methoden zum Nachweis von Rindfleisch und des in Verruf gekommenen und mittlerweile auch verbotenen Separatorenmaterials zur Verfügung.

Der Nachweis von Gehirn- und Rückenmarksmaterial in Würsten war bis dato in der Routineuntersuchung allerdings noch kein "Thema". Dies war bis zum heutigen Zeitpunkt auch nicht unbedingt notwendig, da die Verwendung von Schweinehirn und Rückenmarksanteilen bei Würsten bis vor einigen Wochen zwar noch zulässig, jedoch in der Praxis der Wurstproduktion nie wirklich üblich war. (Rinderhirn und -rückenmark, als solches untaugliche Organe, werden seit Jahren gar nicht mehr in Verkehr gebracht). Seit kurzen steht ein elektophoretischimmunologischer Test der Routinediagnostik zur Verfügung, der Gehirnmaterial in homogener Wurstmasse sicher und sensibel detektieren kann.

Mittlerweile ist der Nachweis von Gehirnmaterial in Wurstwaren nicht nur aus lebensmittelrechtlichen Aspekten notwendig. Er hat v.a. auch konsumentenpolitische Bedeutung, um das Vertrauen des Konsumenten in "was d"rauf steht, muss auch d"rin sein" zu stärken.

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