"Neue Zeit" Kommentar: "Ambitionen" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 6. 2. 2001

Graz (OTS) - Das einfache Parteimitglied gibt seine Ambitionen
nicht auf, doch noch Bundeskanzler dieser Republik zu werden. Wer das je geglaubt hat, ist ohnehin immer nur einem frommen Wunsch aufgesessen. Wie etwa jene Kreise in der ÖVP, die durch die Koalition mit einer FPÖ ohne Jörg Haider in der Regierung immer noch hoffen, den unbändigen Drang des Kärntner Landeshauptmannes zum Kanzleramt stoppen, oder auch nur bremsen zu können. Der "Einfache" selbst hat vor einer Woche deutlich gemacht, in der nächsten blau-schwarzen Koalition müsse die FPÖ den Kanzler stellen. Wen er damit gemeint hatte, das durfte am Sonntag Abend die Parteichefin Susanne-Riess Passer dem Fernsehpublikum erklären: Selbstverständlich sei Jörg Haider diesbezüglich voll im Rennen. Wer Landeshauptmann sei, könne schließlich auch Kanzler sein. Die nächste Karte in seinem persönlichen Machtpoker spielte Haider selbst ausgerechnet im "Feindesland" Frankreich aus. Der konservativen Zeitung "Le Figaro" gab er ein Interview, in dem er erklärte, sich eine Koalition mit der SPÖ vorstellen zu können und der ÖVP "Liebe zur Macht" vorwarf. Alles klar? Jörg Haider droht seinem jetzigen Koalitionspartner gar nicht mehr verhohlen, wenn er nicht von der ÖVP zum nächsten Kanzler gemacht würde, könnte die FPÖ die rot-blaue Karte spielen. Dass in der SPÖ derzeit niemand zu finden ist, der das unsittliche Angebot annehmen könnte, stört den Taktiker wenig. Die ÖVP ist allemal "g'schreckt".

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