Fischer: NS-Geschichte und österreichischer Anteil daran ist ein heikles und komplexes Thema, das aufgearbeitet werden soll

Kostelka: Zu Licht- und Schattenseiten der eigenen Identität bekennen

Wien (SK) "Es handelt sich um ein heikles und komplexes Thema: Um die Geschichte des Nationalsozialismus und den österreichischen Anteil daran. Es handelt sich darum, was sich auf dem Boden Sloweniens ereignet hat - und das soll aufgearbeitet werden", erklärte Nationalratspräsident Heinz Fischer Montag bei der Buchpräsentation "NS-Österreich auf der Anklagebank" von Alfred Elste, Michael Koschat und Hanzi Filipic. "Es ist notwendig, sich zur eigenen Identität zu bekennen: Zu ihren Licht- und zu ihren Schattenseiten. Es ist ein seltener Prozess, wenn zwei Nationen ihre eigene Identität gemeinsam erarbeiten. Und die Geschichte ist aufarbeitungswürdig", betonte auch Peter Kostelka, geschäftsführender SPÖ-Klubobmann. ****

Die von den drei Buchautoren übernommene Aufgabe sei "unverzichtbar und notwendig", so Fischer. "Wir kommen nicht umhin, diese Arbeit zu leisten - in Form von Augenzeugen, Erinnerung, von Büchern und der Universität. Ich bin froh, dass wir heute dieses Buch sozusagen aus der Taufe heben."

"Die Fotos und die Dokumente dieses Buches sind bedrückend, entsetzlich - und sie sind wichtig. Wir können nichts ungeschehen machen", stellte Fischer klar. "Man kann diese Diskussion nur in angemessener Weise führen, wenn man die Geschichte kennt."

Kostelka: "Es ist nicht allen so gegenwärtig, dass wenige Meter von hier im Spätherbst 1945 über die Ringstraße eine österreichische Partisaneneinheit marschierte. Der Prozess gegen Gauleiter Rainer ist nicht nur ein Akt der Aufarbeitung der Geschichte gewesen, es ging auch darum, Ansprüche Sloweniens gegenüber Österreich zu untermauern."

"Dieses Kapitel gemeinsamer Vergangenheit" müsse ohne die "Beigaben späterer Jahre - und ich weiß, wovon ich spreche, weil ich selbst Kärntner bin" - thematisiert werden. "In diesem Sinne darf ich meinen Dank an die Autoren richten", so Kostelka.

In dem Prozess, der in dem Buch "NS-Österreich auf der Anklagebank" beschrieben wird, seien neben Deutschen auch Österreicher angeklagt gewesen. "Es gab diesen Anteil. Wir müssen uns zu den guten und den schlechten Taten dieser Zeit bekennen", mahnte Fischer.

Friedrich Rainer, einer der Angeklagten des Prozesses, habe "offensichtlich eine führende Rolle bei diesem 'Projekt', wie mit der jugoslawischen und slowenischen Bevölkerung umgegangen wurde", gespielt. "Er wurde zum Tode verurteilt - das lässt sich aus der damaligen Zeit erklären", betonte Fischer, der aber keinen Zweifel daran ließ, "ein bedingungsloser Gegner der Todesstrafe" zu sein.

Er, Fischer, sei froh, dass diese Zeit "so weit hinter uns liegt, dass wir heute mit kühlerem Kopf an das Thema herangehen können". Die Kenntnis der "Ereignisse zwischen 1938 und 1945 und der Prozessabläufe im Jahr 1947" seien heute "nicht nur kein Hindernis, in freundschaftlicher und zukunftsorientierter Weise miteinander umzugehen", sie verdeutlichten auch, "wohin Rassismus und Fremdenfeindlichkeit führen können".

"Slowenien als künftiges Mitglied der Europäischen Union - einer Zone des Friedens und der Stabilität - ist wertvoll, wichtig und erwünscht", stellte Fischer klar. Abschließend richtete Fischer Gratulationswünsche in Richtung des veröffentlichenden Hermagoras-Verlags, der heuer sein 150jähriges Bestehen feiert. (Schluss) me

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