Nebenbahnen: Kosten und Historie

Wien (OTS) - Kraft Bundesbahngesetz §25 sind die ÖBB dazu verpflichtet, das Unternehmen privatwirtschaftlich zu führen. Derzeit kosten die Nebenbahnen den ÖBB durchschnittlich pro Jahr und Fahrgast 100.000.- ATS. Diesem Defizit müssen die ÖBB vorbeugen. Weiters sind in den nächsten Jahren rund 2-3 Mrd. Schilling an Investitionen in die Infrastruktur der Nebenbahnen fällig. Ebenso muss in den nächsten 5 Jahren der Fahrpark der Nebenbahnstrecken großteils erneuert werden.

Laut Bundesbahngesetz zahlt der Bund nur dann die Kosten für die Infrastruktur, wenn die ÖBB diese Infrastruktur für ihren eigenen Betrieb brauchen. Noch ungeklärt ist, ob der Bund die Kosten auch dann übernimmt, wenn ein anderer Betreiber als die ÖBB den Betrieb fortführen.

Im Rahmen der Verkehrsdiensteverträge, welche die Kooperationen mit den ÖBB und den Ländern regeln, gibt es keine Pauschalabgeltung mehr, sondern wird jede einzelne Leistung explizit angeführt. Sollten die Länder weiterhin den Personenverkehr auf diesen Strecken aufrecht erhalten wollen, so ist diese eine bei den ÖBB zu bestellende Leistung. Die Verhandlungen mit den Ländern und dem Bund betreffend die Einstellung der Nebenbahnen führt der Personenverkehrsvorstand Dr. Gerhard Stindl.

Geschichte der Nebenbahnen

Zu Kaisers Zeiten wurden die Nebenbahnen gebaut, als es noch keine Straßen zur Erschließung der abgelegenen Regionen gab. Die Nebenbahnen waren damals eine Art Hochleistungsverbindung in die Ballungs- und Wirtschaftszentren. Die Seitentäler waren von der Prosperität der Wirtschaftszentren ausgeschlossen.

Um diese Verbindungen zu schaffen, wurde ein eigenes Gesetz (Lokalbahnengesetz) beschlossen. Das Gesetz gestattete eine günstige Bauweise der Bahnanlagen, welche großteils außerhalb der Ortschaften angelegt wurden. Deren Infrastruktur sollte billiger ausgeführt werden und auf Schranken und Stellwerke verzichtet werden. Auf Nebenbahnenstrecken darf großteils auch heute aufgrund der engen Kurvenradien maximal mit 50 km/h gefahren werden. Auf dem ausgebauten parallelen Straßennetz sind 80 - 100 km/h erlaubt.

Durch das Ansteigen des Individualverkehrs kommt es nun mehr zu einer geringeren Auslastung der fraglichen Nebenbahnenstrecken. Das dadurch verursachte Defizit veranlasst die ÖBB, auf diesen Strecken den Personenverkehr einzustellen. Eine Arbeitsgruppe der SCHIG ist mit der Ausschreibung der Leistungen im Hinblick auf die Suche eines Alternativbetreibers betraut. Mit dem neuen Sommerfahrplan, welcher am 9. Juni in Kraft tritt, werden einige Nebenbahnen nicht mehr im Kursbuch aufscheinen. Eingestellt werden folgende Strecken der ÖBB:

Niederösterreich:
Retz - Drosendorf
Freiland - Türnitz
Siebenbrunn - Leopoldsdorf - Engelhartstetten
Drösing - Zisterdorf

Tirol:
Ehrwald - Schönbichl

Steiermark:
Leoben - Vordernberg

Salzburg:
Pinzgaubahn (Zell am See - Krimml)

Auf folgenden Strecken werden die ÖBB noch bis Ende 2001 weiterfahren, falls sich dafür rechtzeitig ein Weiterbetrieb abzeichnet:

Mariazellerbahn (St. Pölten - Landesgrenze nächst Mitterbach - Mariazell)
Obergrafendorf - Mank - Ruprechtshofen
Ybbsthalbahn (Waidhofen a.d.Ybbs - Ybbssitz/Lunz am See)
Gmünd - Groß Gerungs

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