ÖAMTC: Liftbetreiber haftet nicht automatisch für Sturz

Um Hilfe beim Ein- und Aussteigen muss ausdrücklich gebeten werden

Wien (ÖAMTC-Presse) - Wer einen Sessellift benützt und dabei zum Ein-oder Aussteigen Hilfe durch das Liftpersonal benötigt, muss dies auch deutlich artikulieren. Tut er dies nicht und verletzt sich, so haftet der Liftbetreiber in solch einem Fall nicht. Zu dieser Entscheidung ist das Oberlandesgericht Innsbruck (4 R 13/00v, ZVR 2001/11) nun in einem aktuellen Urteil gekommen.

Anlass für diese Rechtssprechung war folgender Fall: Ein Snowboarder kam nach dem Verlassen eines Dreier-Sesselliftes zu Sturz und zog sich dabei einen komplizierten Unterschenkelbruch zu. S 281.500 könnten diesen Schmerz wieder lindern, meinte der Wintersportler und klagte deshalb selbigen Betrag beim zuständigen Gericht ein. Dazu ÖAMTC-Jurist Fritz Tippel: "Der Snowboarder gab an, beim Einsteigen in den Sessellift gefragt zu haben, ob er sein Brett für die Fahrt auch Abschnallen könne. Dieser Bitte wurde seitens des Liftpersonals aber nicht nachgegeben und daher läge die Schuld für den folgenschweren Sturz beim Liftbetreiber."

Naturgemäß etwas anderer Ansicht war der geklagte Sesselliftbetreiber, er argumentierte seine Unschuld wie folgt: Der Kläger sei auf Grund mangelnder Fahrkenntnisse und Unaufmerksamkeit zu Sturz gekommen. Die Unfallstelle lag bereits 15 Meter vom Liftausstieg entfernt. Weiters wurde darauf hingewiesen, dass die gleichzeitige Beförderung von Fahrgästen mit und ohne angeschnallten Schiern laut Betriebsvorschrift ausdrücklich verboten sei. Und schließlich habe der Kläger lediglich danach gefragt, ob es möglich sei, das Snowboard abzuschnallen und nicht explizit um Hilfe beim Ein- und Aussteigen gebeten.

Tippel: "Um von der Haftung befreit zu sein, muss der Liftbetreiber die äußerste nach Umständen des Falls mögliche Sorgfalt einhalten. Diese erhöhte Sorgfaltspflicht darf allerdings nicht überspannt werden." Das Oberlandesgericht entschied daher: Der Kläger hat keine besondere Hilfestellung verlangt. Dies wäre aber insbesondere bei einem Dreier-Sessellift, wo nicht ohne weiteres Hilfe beim Aussteigen möglich ist, notwendig. Für das Liftpersonal waren daher keine Umstände gegeben, die zu einer solchen veranlasst hätten. Und grundsätzlich dürfe das Liftpersonal davon ausgehen, dass die Benützer eines Sesselliftes über die grundlegenden Kenntnisse und Verhaltensmaßnahmen verfügen. Die Klage wurde daher abgewiesen. "Also: Rechtzeitig um Hilfe ersuchen bedeutet keinen Beinbruch, es nicht zu tun, möglicherweise aber schon", so Tippel abschließend.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Stefan Skrabal

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