"Neue Zeit" Kommentar: "Solidarität" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 2. 2. 2001

Graz (OTS) - Die Demontage der Arbeitnehmerrechte und der Sozialabbau waren von der Regierung aus deren Sicht schlau eingefädelt. Entsolidarisierung der Arbeitnehmer hieß das Zauberwort und über weite Strecken funktionierte das Ausspielen von Lehrern gegen Arbeiter, von Beamten gegen Privatangestellte und von Pensionisten gegen Aktive auch. Zum Leidwesen der Gewerkschaftsspitze, die diese Taktik zwar durchschaute, aber nur in sehr beschränktem Maße an die Basis vermitteln konnte. Doch nun ist dieser Regierung ein schwerer Fehler passiert. Bei der Ablöse des Präsidiums im mehrheitlich von Arbeitnehmern selbst verwalteten Hauptverband musste die Strategie der Entsolidarisierung versagen. Die Idee, Spitzenfunktionäre gegen "kleine Mitglieder" ausspielen zu wollen, hätte jeder sofort verworfen, der über die Gruppenpsychologie von Gewerkschaften nur ansatzweise Bescheid weiß. Jemanden "herausschießen" zu wollen, führt gezwungenermaßen zum gegenteiligen Effekt - zu einer Solidarisierung nämlich. Dass Sozialminister Herbert Haupt bereits hektisch über eine Exit-Strategie nachdenkt, die nicht den totalen Gesichtsverlust der Regierung beinhaltet, spricht Bände. Aber den Hebel, den die Koalition den Gewerkschaften ziemlich überraschend in die Hand gegeben hat, werden diese nicht mehr los lassen. Einzige Möglichkeit wäre das bedingungslose Schuldeingeständnis, was allerdings bei der Psychologie dieser Bundesregierung so gut wie auszuschließen ist.

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