"Kleine Zeitung" Kommentar: "Chance vertan" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 01.02.2001

Graz (OTS) - Es lässt sich von außen schwer ermessen, was sich in der Israelitischen Kultusgemeinde abgespielt haben mag und welche Motive ihren Vorsitzenden Ariel Muzicant bewogen haben, nun der in langen, schwierigen Verhandlungen erreichten Vereinbarung zwischen Österreich, der vorigen amerikanischen Regierung und den jüdischen Opferverbänden nicht zuzustimmen.

Wenn der Vertrag - nach Muzicants eigenen Worten - "zufrieden stellend und auf weite Strecken einmalig gut" ist, warum verweigert er ihm dann nur "wegen einer Geste" die Zu stimmung? Wie kann er dann sagen, die Republik Österreich bereichere sich an Gut, "an dem das Blut der ermordeten Opfer klebt"?

Es ist auch auffallend, dass der österreichische Vertreter der Claims conference sich zu Muzicants Verweigerung nicht äußern wollte.

Die Vereinbarung wird dennoch zustande kommen, die Gesetze über den Entschädigungsfonds werden beschlossen.

Aber es bleibt ihnen ein Makel. Es wurde die Chance vertan, dass alle Österreicher, diejenigen, die zur Seite der Täter gehören, und diejenigen, die die Opfer waren und sind, gemeinsam hinter dem Werk stehen können.

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