Rund 4000 VOEST-ler in Linz

Oberchristl: Trauerfahnen am 4. Februar

Linz (Gewerkschaft Metall - Textil/ÖGB). Rund 4.000 Beschäftigte der VA Stahl und der VA Tech am Standort Linz haben in einer Betriebsversammlung heute, Donnerstag 1. 2. 2001, unter anderem ihren Unmut über die Pläne der Bundesregierung hinsichtlich ÖIAG kundgetan. Auch an weiteren Standorten der VOEST in ganz Österreich gab es Versammlungen mit hunderten Beschäftigten.++++

Unter großer Beteiligung der Beschäftigten fand heute eine Betriebsversammlung in der VOEST am Standort Linz statt. Die Lage für die Rechte und für die Geldtaschen der Beschäftigten sei sehr ernst, hieß es zu Beginn der Veranstaltung. Angesichts der jüngsten Maßnahmen der Regierung war die Stimmung unter den Beschäftigten aufgewühlt, insbesondere auch deshalb, weil jeder einzelne Arbeitsplatz in der VOEST durch die ÖIAG-Politik der Regierung gefährdet ist: "Die VÖST-ler sind Spitze, sie bringen jeden Tag Spitzen-Leistungen und sie sind auch die Spitze wenn es darum geht, dass man sich wehren muss!"

"Es geht um unsere Familien, es geht um unsere Arbeitsplätze, und es geht auch um unsere Solidarität", sagte Helmut Oberchristl, Zentralbetriebsratsvorsitzender der VA Stahl Linz, vor den Beschäftigten. Weiters sprach er von einer "Krise der oberen Zehntausend, die nicht genug kriegen können und denen es nicht reicht, dass die Arbeitnehmer immer mehr leisten und immer weniger Geld haben." Am 4. Februar, dem 1. Jahrestag dieser Bundesregierung, müsse man aus Arbeitnehmersicht eigentlich Trauerfahnen aufziehen. Die Regierung habe alles versprochen und nichts gehalten, angefangen vom Bundeskanzler, der vor der Wahl gesagt habe, er gehe als Dritter nicht in die Regierung. Die Regierung habe außerdem versprochen, keine Steuern zu erhöhen, jetzt hätten wir so hohe Steuern wie lange nicht. Oberchirstl: "Dagegen müssen wir nun auftreten, wir müssen jetzt sagen, das ist nicht unser Österreich, wir wollen ein anderes Österreich! Es kann nicht sein dass die soziale Sicherheit für Arbeiter, Angestellte, Frauen, Pensionisten, Kinder immer kleiner wird."

Zum Thema ÖIAG sprach sich Oberchristl klar für einen starken österreichischen Kernaktionär aus. Zur Wirtschaftspolitik der Regierung sagte Oberchristl weiter: "Die ÖIAG ist ja nicht das Ende der Fahnenstange. Das Ende der Fahnenstange ist erst erreicht, wenn jede Müllabführ in jeder kleinen Gemeinde privatisiert ist. Was das für Probleme mit sich bringt sehen wir dort, wo die Entsorgung privatisiert ist und keiner weiß, was zum Beispiel mit giftigen Stoffen genau passiert."

"Die heutigen Betriebsversammlungen in ganz Österreich finden nicht aus Jux und Tollerei statt", sagte Hubert Wipplinger, Präsident der oberösterreichischen Arbeiterkammer vor den versammelten Beschäftigten. "Es geht darum, dass wir uns die Vorgangsweise der Bundesregierung gegen die Interessen der Beschäftigten nicht länger gefallen lassen dürfen."

Wipplinger nannte zwei Beispiele: Die Menschen seien von der so genannten Pensionsreform überrollt worden und müssten für viele Gebühren nun tiefer in ihre Geldbörsel greifen. "Uns wurde gesagt, die kleine Leute sind nicht betroffen - wen treffen denn diese Maßnahmen?" Wipplinger ortete außerdem einen tiefgreifenden Umbruch des Systems: Größter Kritikpunkt Wipplingers ist die Zusammenlegung von Wirtschafts- und Arbeitsministerium, "geleitet von einem Milliardär. Das ist ein Systembruch den wir nicht wollen!" Weiters werde die Begutachtung von Gesetzesvorlagen durch die Arbeiterkammer von der Regierung systematisch behindert, das sei gegen die Interessen der Beschäftigten. Auch das Herabbrechen der Lohn- und Gehaltspolitik auf die betriebliche Ebene sei ein Systembruch der klar gegen die Interessen der Arbeiter und Angestellten gehe. (aw)

ÖGB, 1. Februar 2001
Nr. 84

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