Ruck der Empörung durchs Land

Mehr als 300 Veranstaltungen in Metall- und Textil-Betrieben

Wien (GMT/ÖGB). In mehr als 300 Versammlungen, Teilversammlungen, Aktionen und anderen Informationsveranstaltungen haben die Betriebsräte der Gewerkschaft Metall - Textil heute ihre Belegschaften unter anderem über die Auswirkungen der Politik der Bundesregierung in Sachen ÖIAG und Sozialversicherung informiert.++++

In allen ÖIAG-Unternehmen aus dem Metallbereich finden heute Versammlungen statt. Die OMV-Betriebsräte informierten die Belegschaften aller Standorte über die Auswirkungen der Politik der Bundesregierung auf ihre eigenen Arbeitsplätze und auf das betriebliche Geschehen. Ähnliche Veranstaltungen gab es an den Standorten von Böhler in Kapfenberg und Mürzzuschlag und in der VOEST in Linz, Krems und Donawitz. Unter vielen anderen in ganz Östereich fanden Versammlungen bei Veitsch Radex in der Steiermark und in Kärnten, in den Tiroler Röhrenwerken, bei Elektra Bregenz (ebenfalls Tirol), bei Triumph im Burgenland, bei Infineon in Villach, bei EMCO in Hallein, bei Philips in Klagenfurt oder bei Gabor Schuhe in Spittal statt. Neben den Versammlungen in den Betrieben fanden auch zahlreiche Verteilaktionen und Informationsveranstaltungen vor Metall- und Textil-Betrieben in ganz Österreich statt.

Bis heute früh, 8.00 Uhr waren im Metall-Textil-Bereich bereits über 200 Veranstaltungen im Gange, die Beschäftigten zeigten dabei großen Unmut über die gegen sie gerichteten Maßnahmen der Regierung. Zahlreiche Versammlungen und Teilversammlungen werden bis 22 Uhr stattfinden.

Nürnberger: Regierung soll Malkasten wegpacken

Die rund 120.000 Beschäftigten der ÖIAG-Unternehmen und weitere tausende in der Zulieferbranche seien aufs Schwerste verunsichert was die Zukunft ihrer Jobs betreffe, sagt ÖGB-Vizepräsident Rudolf Nürnberger, Vorsitzender der Gewerkschaft Metall - Textil. "Die Regierung soll den Malkasten, mit dem sie die Aufsichtsräte umgefärbt hat, wieder wegpacken und stattdessen eine eigenständige Industriepolitik und eine offensive Standortpolitik betreiben", verlangt Nürnberger. Die Regierung hätte außerdem eiskalt verkündet, dass zwei Drittel der Menschen von den beschlossenen Maßnahmen nicht betroffen seien. "Dass sie sehr wohl betroffen sind, ist aber ganz leicht bewiesen - man muss nur die Dezember-Lohnzettel mit denen vom Jänner vergleichen. Dann sieht man, was die Aussagen von Kanzler und Vizekanzlerin vom Vorjahr, dass keine Steuern erhöht werden, wert sind. Irgendwann muss Schluss sein mit dieser Politik, die sich gegen die Menschen in diesem Land richtet."

Oberchristl in VOEST Linz

"Es geht um unsere Familien, es geht um unsere Arbeitsplätze, und es geht auch um unsere Solidarität", sagte Helmut Oberchristl, Zentralbetriebsratsvorsitzender der VA Stahl Linz, vor rund 4.000 Beschäftigten der VA Stahl und VA Tech in Linz. Weiters sprach er von einer "Krise der oberen Zehntausend, die nicht genug kriegen können und denen es nicht reicht, dass die Arbeitnehmer immer mehr leisten und immer weniger Geld haben." Am 4. Februar, dem 1. Jahrestag dieser Bundesregierung, müsse man aus Arbeitnehmersicht eigentlich Trauerfahnen aufziehen. Die Regierung habe alles versprochen und nichts gehalten, angefangen vom Bundeskanzler, der vor der Wahl gesagt habe, er gehe als Dritter nicht in die Regierung. Die Regierung habe außerdem versprochen, keine Steuern zu erhöhen, jetzt hätten wir so hohe Steuern wie lange nicht.

Abraham in OMV

Gegen den Ausverkauf Österreichischen Staatseigentums und für einen starken österreichischen Kernaktionär sprach sich Leopold Abraham, Zentralbetriebsratsvorsitzender der OMV AG, bei Versammlungen der OMV-Standorte in Gänserndorf, Gerasdorf und Schwechat aus. "Es geht um unsere Arbeitsplätze! Wir wollen nicht vom Ausland abhängig sein."

Jugend für Demokratie

Die Metallerjugend kritisierte heute das Demokratieverständnis der Bundesregierung. "Jeder weiß, dass junge Menschen in der Schule oder zu Hause gerne auch einmal rebellisch sind", so Metallerjugendvorsitzender Albert Maringer. "Gerade die Jugendlichen haben daher absolut kein Verständnis dafür, dass man kritische Stimmen, seien das ihre eigenen, sei das in der ÖIAG oder in der Sozialversicherung, mit kalter Brutalität zum Schweigen bringen will. Das wäre ja genau so, als würde ein Lehrer den Klassensprecher entfernen wollen, weil der seine eigene Meinung und die der Mitschülerinnen und -schüler vertritt."

ÖGB, 1. Februar 2001
Nr. 83

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