Die Regierung sucht dringend Ja-Sager von Peter Muzik - Kommentar 1.2.2001

Wien (OTS) - Eines gleich vorweg: Ich bin bestimmt alles andere
als ein eingefleischter Fan von Hans Sallmutter. Es ist daher für mich auch durchaus auszuhalten, dass Gewerkschafts-Bonzen wie er oder Rudolf Nürnberger seit dem Regierungswechsel nicht mehr so omnipräsent wie früher sind und sich auch nicht mehr so unentwegt öffentlich wichtig machen können. Dass derartige Job-Multis, die überall ihre Finger drinnen haben, auf ein natürliches Mass reduziert werden, war ohnedies längst fällig. Trotzdem sage ich mit aller Deutlichlichkeit: Die merkwürdige Aktion, die praktisch über Nacht zur Entfernung Sallmutters und seiner Stellvertreter vom Hauptverband geführt hat, war letztklassig. Der genannte Grund - die Reformunwilligkeit der Betroffenen - war jedenfalls nur plump vorgeschoben; in Wahrheit ging es auch in diesem Fall, wie bei der ÖIAG, selbstverständlich um Farbenlehre: Als rotes Tuch der Koalition muss Sallmutter einfach weg. Deshalb ist die Vorgangsweise der Regierung letztlich nicht akzeptabel. Die Opposition und der ÖGB können also meines Erachtens zu Recht toben. Ich bin allerdings optimistisch, dass Minister Haupt clever genug ist und, wie bereits angekündigt, keinen Freiheitlichen in diese Position nachrücken lässt. Das würde die Haider-Partei, die jahrelang erfolgreich gegen jede Form des Postenschachers gewettert hat, nämlich schlagartig unglaubwürdig machen. Eine Partei wie die FPÖ, die nicht einmal ein paar Ministerposten optimal besetzen konnte, ist gottlob auch gar nicht in der Lage, massenhaft Vertraute in wichtige Positionen zu hieven - sie hat ja kaum geeignete Kandidaten. So weit die gute Nachricht - es gibt aber auch eine schlechte: Die Blauen werden in den nächsten Monaten notgedrungen nicht umhin können, sich bei fälligen Jobrochaden mit Notlösungen über die Runden zu retten. Benötigt werden pflegeleichte Ja-Sager, die niemals kritisieren, niemals zurückreden und niemals unbequem werden, sondern stets das tun, was man ihnen anschafft. Die Stunde der Opportunisten, die unter blauer Flagge rasch Karriere machen wollen, ist angebrochen. Der Sozialminister hat ja schon angedeutet, die vakanten Positionen im Hauptverband mit Marionetten seines Vertrauens zu besetzen - und wenn's notfalls Sozialdemokraten sind. (Schluss) PM

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