"Die Presse"-Kommentar: "Aug in Aug mit dem Moloch" (von Isabella Wallnöfer)

Ausgabe vom 1.2.2001

WIEN (OTS). Die "Mutter aller Magazinschlachten" ist geschlagen.
Der vernichtende Konkurrenzkampf zwischen "News" und "profil" endet in einer innigen Umarmung. Eine Verbindung, der nun auch das Kartellgericht seinen Segen gab. Ab nun leben, wenn nicht noch ein möglicherweise angestrengtes Berufungsverfahren beim Obersten Gerichtshof den Deal verhindert, durch den Zusammenschluß der "News"-Gruppe mit der Kurier-Zeitschriftentochter ZVB zwölf Magazine unter einem Dach. Freilich heißt es, die Redaktionen würden ihre Unabhängigkeit bewahren. Für das "profil" soll es eine Bestandsgarantie bis Ende 2005 geben. Natürlich betonen die Betreiber der Fusion, daß sich weder für die Leser noch für die Journalisten etwas ändern wird.
Was einen stutzig macht, ist die Ruhe in den Reihen jener, die eigentlich ein wachsames Auge auf die Medienlandschaft, dieses wichtige Standbein der Demokratie, haben müßten. Man vermißt den Protest angesichts der Geburt eines gefährlichen Molochs, dem die Konkurrenz, die öffentliche Meinung, die Politik plötzlich Aug in Aug gegenüber stehen. Man stelle sich vor, mit welcher Wucht ein solches Konglomerat politischer und wirtschaftlicher Titel losschlagen kann.
Man möchte gern glauben, daß die Redaktionen im tagtäglichen Marsch auf die neuesten News nicht im Gleichschritt marschieren müssen. Sonst nämlich könnte der eine oder andere Titel verwechselbar und damit obsolet werden. Aber wer die Kampagnen von "News" gegen in Ungnade gefallene oder für uns besonders ans Herz gelegte Zeitgenossen verfolgt, kann sich vorstellen, wie es jemandem ergehen könnte, der es sich mit den Machthabern des Magazin-Riesen vertut. Und damit ist nicht nur die Abhängigkeit der Magazin-Journalisten gemeint, denen kaum Alternativen am Arbeitsmarkt bleiben. Vorsorglich halten sich denn auch viele Politiker zurück (FP-Mediensprecher Michael Krüger und sein grünes Pendant Stefan Schennach bilden die mutige Ausnahme). Nur ja niemandem auf die Zehen treten, um nicht selbst Opfer zu werden.
Das allein zeigt schon, welche Macht den zusammengeschlossenen Magazinen zugeordnet wird. Das ist der Vorgeschmack darauf, was diese Fusion nicht nur für den heimischen Medienmarkt, sondern für die Demokratie bedeutet. Man kennt den Mechanismus vom Tageszeitungsmarkt. Wenn "Krone"-Herr Hans Dichand etwas will, dann kriegt er es (mit ganz wenigen Ausnahmen) auch, weil er die Möglichkeit hat, die Meinung der Massen zu formen (bzw. weil ihm diese Macht zugeordnet wird).
"News", "Profil" & Co. haben künftig aber nicht nur das Meinungs-Monopol am Magazin-Sektor, auch in wirtschaftlichen Angelegenheiten wird man nicht davor zurückschrecken, die Synergien eiskalt zu nützen. Der Verhandlungsspielraum für die Wirtschaft bei den Anzeigenpreisen könnte bald dahin sein. Beim Vertrieb haben die Fusionisten mit der Mediaprint den stärksten Partner an der Hand -und die Möglichkeit, andere Blätter freundlich in den Verteiler aufzunehmen oder ihnen diese (über-)lebenswichtige Chance zu verwehren.
Daß der "News"-"profil"-Deal nun auf heimischem Boden zwei der größten deutschen Mediengiganten zusammenführt, ist da nur noch eine weitere Anmerkung: An der "News"-Gruppe hält die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr über fünfzig Prozent. Die WAZ-Gruppe hält knapp die Hälfte am "Kurier" und die Hälfte an der "Kronen Zeitung", die in Österreich einen weltweit einzigartig hohen Marktanteil verzeichnet. Von den Radiobeteiligungen dieser Unternehmen und deren unübersehbar gutem Verhältnis zum ORF ganz zu schweigen. So viel zum traurigen Thema Medienvielfalt in Österreich.

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