Bischof Kapellari präsentierte "Gedanken für den Tag" in Buchform

Die Österreich 1- Sendereihe "Gedanken für den Tag" feiert zehnjähriges Bestehen

Wien (OTS) - Die Ö1-Sendung "Gedanken für den Tag" gibt es seit genau zehn Jahren. Seit 1993 gehört der Kärntner Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari zu den Gestaltern dieser Sendung. Er hat seine "Gedanken für den Tag" nun unter dem Titel "Aber Bleibendes
stiften die Dichter" herausgebracht. Dieses Buch wurde am
Dienstag, den 30. Jänner in Anwesenheit von Hörfunkintendant Dr. Manfred Jochum und Kardinal Dr. Franz König im RadioKulturhaus präsentiert.****

Seit genau zehn Jahren sendet der ORF im Programm Österreich 1 "Gedanken für den Tag". Unmittelbar vor Beginn des
"Morgenjournals" bringt diese Sendung der Hauptabteilung Religion/Hörfunk von Montag bis Samstag von 6.57 bis 7.00 Uhr eine Anregung zum Tagesbeginn mit religiösen, literarischen und philosophischen Texten. In gut zwei Minuten Text zeigen die Autorinnen und Autoren mit persönlicher Sensibilität und in intellektueller Redlichkeit Beispiele, wie Menschen die grundlegenden Sinnfragen stellen und beantworten.

"In den letzten Wochen ist sehr viel vom öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF die Rede. Der öffentlich-rechtliche ‚Auftrag‘ ist für uns viel weniger ‚Verpflichtung‘ als Bekenntnis zu hoher Qualität, ist gerade für ‚Radiomacher‘ eine notwendige Voraussetzung professioneller Arbeit. Und die Religion ist dabei nicht nur ein wichtiger Bestandteil in der Erfüllung dieser
Aufgabe sondern für viele Hörerinnen und Hörer Besinnung, Zuflucht, Ratgeber, oder einfach ein Teil des Alltags", so Hörfunkintendant Manfred Jochum bei der Buchpräsentation. "Mit unserer Ö1-Sendereihe ‚Gedanken für den Tag‘ wollen wir die Menschen seit nunmehr zehn Jahren einladen, kurz innezuhalten und nachzudenken. ‚Nach-denken‘ im Wortsinn bedeutet ja auch, einen Anstoß, einen Denkanstoß dafür zu bieten. Keine fertigen Gedankenmuster also werden geliefert, kein ‚kompaktes Wissen‘ sondern ein Angebot zur Reflexion, das Kraft - vielleicht auch
Trost und Hilfe für den Tag geben kann. Der um diese Uhrzeit vielleicht noch ein wenig müde Geist erhält sozusagen eine Art Frühstück, das jedoch nicht schwer im Magen liegt, sondern - ganz im Gegenteil - Energie spendet. Dass dieses Konzept bereits zehn Jahre hält, ist durchaus beachtlich in einer Medienwelt, die den ‚kick‘ des ‚Sensationellen‘, die Droge des ‚Skandalösen‘ zumindest aber ‚Außergewöhnlichen‘ braucht, um als Sendung, als ‚Event‘ wie es jetzt heißt, beachtet zu werden. Vielleicht ist es mit ein
Grund für den Erfolg, dass wir seit mittlerweile mehr als sieben Jahren das Glück und die Ehre haben, dass Diözesanbischof Egon Kapellari zu den Gestaltern dieser Sendereihe zählt."

Seit 1993 gehört der Kärntner Diözesanbischof Egon Kapellari zu den Gestaltern dieser Sendung. Er geht in seinen Beiträgen der Auseinandersetzung mit der Sinnfrage in der Lyrik prominenter Schriftsteller und Dichter nach. Der Bogen spannt sich von Angelus Silesius bis zu Ingeborg Bachmann. Eine besondere Herausforderung sieht Kapellari darin, sich auch mit Verfassern zu beschäftigen, die dem Christentum fern stehen. Im Styria-Verlag hat er seine "Gedanken für den Tag" unter dem Titel "Aber Bleibendes stiften
die Dichter" herausgebracht. Bischof Kapellari hat neben den
bereits gesendeten Beiträgen auch neue Serien verfasst. Schon in der kommenden Woche werden seine Beiträge zu Texten von Reiner Kunze gesendet, die besonders deutlich die Sensibilität zeigen,
mit der sich Kapellari den Autoren nähert. Kapellari über seinen Zugang zu Lyrik: "Ich bin kein Literat und auch kein Dichter. Ich bin ein Mensch, der achtsam auf das Wort ist, auf das Wort Gottes und das Wort der Menschen. Und die Dichter und die Priester haben kulturgeschichtlich und religionsgeschichtlich viel gemeinsam. Und so verstehe ich meine Befassung mit der Sprache, mit dem Buch der Kirche, mit der heiligen Schrift, die in vielem auch poetisch ist. Und so verstehe ich auch den nicht-vereinnahmenden Umgang mit
alter und neuer Lyrik, weil die in die Tiefe der menschlichen Existenz hineinleuchtet und sanfter, zuweilen auch wilder Protest ist gegen die Banalisierung des Lebens." Auch Kardinal Dr. Franz König zeigte sich begeistert: "Ich freue mich, dass die österreichische Bischofskonferenz, dass Österreich auch einen solchen Bischof hat, der nicht nur im Stande ist, schöne Hirtenbriefe zu schreiben und schöne Predigten zu halten, sondern der hineingreift in das, was die Menschen heute bewegt, die Kunst, das Schöne, aber auch das Widersprüchliche, das mit dem Schönen im Kampf ringt."

Die "Gedanken für den Tag" sind keine tägliche Kurzpredigt im Radio, sondern Beispiele intellektueller Auseinandersetzung. Sie sind auch nicht auf die christlichen Religionen beschränkt sondern bringen immer wieder auch Beispiele aus dem Buddhismus, dem
Judentum und in letzter Zeit vor allem auch aus dem Islam. Wie
unter anderem die Beiträge von Bischof Kapellari deutlich machen, finden auch Überlegungen Platz, die außerhalb der Religionen oder in Antithese dazu stehen. Damit ist auch der Bogen der Gestalter weit gespannt. Seit Jänner 1991 gelingt es der Religionsabteilung des ORF-Radio, immer wieder führende Köpfe der intellektuellen Auseinandersetzung zu Wort kommen zu lassen. Dass ein katholischer Bischof regelmäßig dafür schreibt, versteht der ORF auch als Anerkennung und Bestätigung dieser Offenheit. Die Liste der Autoren, mit denen sich Kapellari auseinandersetzt: Ingeborg Bachmann, Werner Bergengruen, Paul Celan, Matthias Claudius, Hilde Domin, Annette von Droste-Hülshoff, Joseph von Eichendorff, Friedrich Hölderlin, Marie Luise Kaschnitz, Reiner Kunze,
Christine Lavant, Gertrud von Le Fort, Eduard Mörike, Rainer Maria Rilke, Nelly Sachs, Johannes Scheffler (Angelus Silesius), Georg Trakl, Konrad Weiß, Guido Zernatto.

Vor wenigen Wochen hat der bekannte Grazer katholische Theologe Philipp Harnoncourt ein Buch mit seinen "Gedanken für den Tag" veröffentlicht, demnächst folgt die evangelische Theologieprofessorin Susanne Heine aus Wien.(ih)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Isabella Henke
Tel.: 01/501 01/18050
e-mail: isabella.henke@orf.at

ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOA/HOA