Migration - wie mit Heimatverlust, Einsamkeit und Isolation umgehen?

Integrationsfonds fördert psychologische Betreuungsprogramme

Wien (OTS) - Im Rahmen der heute Mittwoch im Wiener Rathaus stattfindenden Fachtagung "Gesundheitsrisiko Migration" stellte auch der Wiener Integrationsfonds seine Aktivitäten und Projekte zur Verbesserung sowie zur Förderung der Gesundheit von MigrantInnen vor. Im Mittelpunkt standen dabei psychologischen Betreuungsprogrammen von MigrantInnenorganisationen, die vom Wiener Integrationsfonds gefördert werden.

Migration - eine extreme Belastung vor allem für Frauen

Migration bedeutet nicht nur den Wechsel des Wohnsitzes, sonder auch den Wechsel des soziokulturellen Raumes. Das heißt Verlust an kommunikativen Beziehungen und Verlust der Heimat. Gefühle von Einsamkeit und Isolation können oft nicht bewältigt werden. Insbesondere für Frauen ist zudem die soziale Lage im Aufnahmeland extrem schlecht. Sie können nicht ihrer Ausbildung entsprechend arbeiten, haben mangelnde Aufstiegschancen, manchmal haben sie sogar überhaupt keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Dementsprechend verfügen Migrantinnen über eine schlechte Einkommenssituation und leben daher auch in ebensolchen Wohnverhältnissen. Ein weiterer Faktor, der hinzu kommt, ist die leider nicht seltene individuelle Erfahrung mit Rassismus und Diskriminierung. Daraus resultieren häufig psychische Erkrankungen (von Depressionen bis hin zu psychosomatischen Reaktionen). Sich für eine Psychotherapie zu entscheiden, ist generell immer noch mit einer großen Schwellenangst verbunden. Das gilt umso mehr für Migranten und hier vor allem für Frauen - und das sind immerhin 45,2% der gesamten ausländischen Wohnbevölkerung in Wien. Die überwiegende Zahl kommt dabei aus Ex - Yugoslawien (46,6% ) und aus der Türkei (40,5%).

Dazu kommt, dass Migrantinnen, die in den meisten Fällen, wie erwähnt, sozial stark benachteiligt sind, sich eine psychologische Beratung und Betreuung im herkömmlichen Sinne auch nicht leisten können. Neben dem Kostenfaktor stellt auch die Sprachbarriere ein unüberwindbares Hindernis dar.

Maßnahmen der Bundesregierung zu Einsparungen im Gesundheitswesen kontraproduktiv

Um diese gerade für viele Migrantinnen bestehende Problemsituation zu bewältigen, bietet eine Reihe von Migrantenorganisationen- und vereinen, unterstützt von ExpertInnen, spezielle Betreuungsprogramme an. Der Wiener Integrationsfonds legt daher in seiner Förderungspolitik auf diese Form der psychologischen Betreuung von Migrantinnen ein Hauptaugenmerk.

Der Integrationsfonds unternehme aber auch im Verbund mit den Einrichtungen des Gesundheitswesens alle Anstrengungen, um für MigrantInnen den Zugang zu den Leistungen des Wiener Gesundheitssystems generell zu verbessern, betonte Andrea ECKHART, die stellvertretende Geschäftsführerin des Wiener Integrationsfonds anlässlich der Tagung "Gesundheitsrisiko Migration?". Als kontraproduktiv bezeichnete es ECKHART in diesem Zusammenhang daher, wenn von Seiten der Bundesregierung Maßnahmen, wie etwa die Einführung der Ambulanzgebühren, gesetzt würden, die medizinische Versorgung erst recht vom Einkommen abhängig machen.

Die wichtigsten psychologischen Betreuungsprogramme im Detail

Folgende Institutionen sind nun in den für die Gesundheitsförderung von Migrantinnen so wichtigen psychologischen Betreuungsprogrammen aktiv und werden vom WIF auch entsprechend unterstützt:

- Muttersprachliche Psychotherapeutische Beratung im Frauengesundheitszentrum F.E.M. im Kaiser Franz Joseph Spital: Die Psychotherapeutische Beratung richtet sich dabei an Frauen, Mädchen und Familien. Darüber hinaus bietet das F.E.M auch muttersprachliche Gesundheitsberatung sowie Infoveranstaltungen zum Thema Frauengesundheit.

- Peregrina - Beratungsstelle für ausländische Frauen - bietet Psychologische Behandlung sowie soziale und rechtliche Betreuung an. Schwerpunkte: Bewältigung von migrationsbedingten Problemen (psychosoziale Krisen, psychosomatische Beschwerden, familiäre und Partnerschaftsprobleme). Peregrina blickt zudem auf eine langjährige Erfahrung mit migrationsbezogenen Krankheitsbildern zurück.

- Zentrum für binationale und interkulturelle Paare und Familien. Zielgruppe sind in Österreich lebende Frauen aus allen Ländern der Welt. Im Mittelpunkt steht hier die Gemeinsame Bearbeitung des Migrationsprozesses sowie der Probleme interkultureller Identität und Integration.

- LEFÖ Lateinamerikanische Emigrierte Frauen in Österreich - Die Angebote von LEFÖ richten sich an Frauen aus Lateinamerika und den MOE - Ländern . Die psychologische Beratung wird gerade auch von Frauen, die vom Frauenhandel betroffen sind, angenommen. Aber auch von Frauen, die Gewalt in der Familie erleben, an ihrem Arbeitsplatz ausgebeutet werden und weder beruflich noch privat eine Alternative haben. Angeboten werden u.a. Gestalttherapie, Psychoanalyse und Familientherapie.

- Miteinander Lernen/ Birlikte Ögrenelim - hat die Förderung der Chancengleichheit von MigrantInnen im sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Bereich zum Ziel. Auch hier stehen Psychotherapie Angebote sowie Gesundheitsberatung zur Verfügung. Die Weiterbildung von MultiplikatorInnen zum Thema ist ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit dieses Vereins.

- Muttersprachliche psychosoziale Intensivbetreuung und Beratung findet außerdem im Integrationshaus statt. Seit Beginn des Projektes 1995 wurden dort insgesamt 259 Flüchtlinge betreut. Im Mittelpunkt stehen hier die psychische Stabilisierung durch Spracherwerb, einen Fahrplan für Aus- und Weiterbildung, Unterstützung bei der Arbeits-und Wohnungssuche.

- Hemayat - Verein zur Betreuung von Folter - und Kriegsüberlebendenden in Österreich - bietet ebenfalls medizinische, psychologische und psychotherapeutische Betreuung unter Einbeziehung von Dolmetschern in die grundlegende Integrationsarbeit. Hemayat arbeitet vernetzt mit niedergelassenen ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen. Es werden aber auch Diskussionen und Workshops in Zusammenarbeit mit anderen Menschrechtsorganisationen organisiert.

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