"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Tod und neue Not" (von Monika Dajc)

Ausgabe vom 31. 1. 2001¶

Innsbruck (OTS) - Die Bilder aus der Todeslandschaft des indischen Bundesstaates Gujarat lassen die Hoffnung stündlich schwinden. Aufkommender Zorn über Versäumnisse von Zentralregierung und örtlicher Politik muss fast zwangsläufig in Resignation übergehen:
Tausende Tote sind traurige Tatsache.

Katastrophen machen in der Rasanz weniger Augenblicke gravierende Schwächen eines Landes offenbar. Indien ist keine Ausnahme. Der Untergang der "Kursk" ließ Russland als Zerrbild einer bedeutenden Macht erscheinen. Und vor zwei Jahren war es auch für das bei Katastrophenhilfe auf hohem Niveau stehende Österreich eine bittere Erfahrung, nicht in ausreichender Zahl und Größe über Hubschrauber zu verfügen.

Die bedeutenden Schritte Indiens nach vorne waren in vielen Bereichen nur halbe - mit fatalen Auswirkungen für die Menschen. Die Spitzenposition bei modernster Forschung und Technologie brachte noch keinen annähernd so hohen Standard bei Erbebenwarnung. Und in einem vergleichsweise reichen Gebiet wie Gujarat haben die Sicherheit von Gebäuden und Katastrophenschutz keine Priorität.

Es zählt zu den ebenso bizarren wie erfreulichen Folgen der Katastrophe, dass die Erbfeindschaft mit Pakistan zumindest vorübergehend außer Kraft gesetzt wurde. Das Nachbarland hilft mit Zelten und Decken. Die stille und effiziente Anteilnahme unterscheidet sich wohltuend vom marktschreierischen Stolz beider Länder auf ihre viele Milliarden verschlingenden Atomwaffen.

Die vergangenen Tage haben es bewiesen: In der so oft beargwöhnten neuen Welt der Globalisierung ist ein Land in Not nicht allein. Umgehend machten sich Experten und Bergeteams aus den verschiedensten Ländern auf den Weg. In der Tiefe des Grauens vermitteln sie gleich wie die unermüdlichen Helfer, die mit bloßen Händen graben, beeindruckende Facetten der Menschlichkeit. Internationale Finanzhilfe soll den Überlebenden einen Neuanfang ermöglichen. Sie werden noch lange des Mitgefühls und der Unterstützung bedürfen.

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