DER STANDARD-Innenpolitik: "Jetzt macht die Gewerkschaft mobil Donnerstag gibt es in ganz Österreich Betriebsversammlungen gegen Regierungspolitik" (von Lydia Ninz und Luise Ungerboeck)

Wien (OTS) - Am Donnerstag wird es in ganz Österreich zu Arbeitsunterbrechungen kommen. In einem Aktionstag wird die Gewerkschaft zu Betriebsversammlungen und Informationsveranstaltungen aufrufen, quer durch alle Branchen.

Das Fass zum Überlaufen hat die drohende Zerschlagung der Selbstverwaltung der Sozialversicherung gebracht. In einer frühmorgendlichen Sitzung am Montag haben Vertreter aller Teilgewerkschaften die Mobilisierung am kommenden Donnerstag vereinbart. Die Durchführung ist den einzelnen Fachgewerkschaften überlassen.

"Ich kann nicht ausschließen, dass die Zeitungen später erscheinen werden", sagt Gerhard Hennerbichler, Zentralsekretär der Gewerkschaft Druck und Papier. Wie viele Arbeitnehmer mitmachen werden, kann und will Hennerbichler nicht schätzen. "Aber der Unmut wird von Tag zu Tag größer. Gerade jetzt, wo der Abcasher- Schmäh dieser Regierung in den Geldtaschen spürbar wird." Mit mehr als 100.000, die im Juni gegen Pensionsreform und Sparpaket protestierten, sei schon zu rechnen.

Voestler voran

Die Chancen stehen gut. Allein die Betriebe der Österreichischen Industrie Holding (ÖIAG) beschäftigen rund 100.000 Mitarbeiter. Bei VA Tech, VA Stahl, Austria Tabak, AUA, Telekom Austria und Post kommt das Privatisierungstempo der Regierung verschärfend hinzu. In der Voest werden am Donnerstag von acht bis zehn Uhr Betriebsversammlungen abgehalten.

Vom Streik will keiner der Gewerkschaftskapos reden, ausgenommen in der Telekom Austria (TA), wo der Abbau von 5000 Jobs für Zores sorgt. "Es ist unsere Pflicht, den Menschen zu sagen, was auf sie zukommt und dass direkte Eingriffe in die demokratisch gewählte Selbstverwaltung geplant sind", begründet der Chef der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft, Johann Driemer. Er wird die Bauarbeiter flächendeckend informieren, soweit dies jetzt im Winter möglich ist.

Post und Papier

"Die Menschen sollen wissen, wie problematisch es ist, wenn es der Selbstverwaltung an den Kragen geht", betont Wilhelm Beck, Chef der Chemiearbeiter. Er rechnet fix, dass es auch in den Papierfabriken zu informationsbedingten Arbeitsunterbrechungen kommt. Auch im Zellstoffwerk Pöls von ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel sind Info-Aktionen geplant.

Die Eisenbahner werden am Donnerstag mitmachen, die Züge werden aber weiterfahren. "Noch haben wir keinen Grund, richtig zornig zu sein. Wenn die Regierung aber an ihrer blödsinnigen Infrastrukturpolitik festhält, dann ist es in ein bis zwei Wochen so weit", poltert ÖBB-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl.

Eher zögerlich sind die Postler. Sie werden ihre Betriebsräte von Postamt zu Postamt wandern lassen. Die 35.000 Post-Mitarbeiter haben einen heißen Herbst hinter sich und wollen ihren Vorstand nicht reizen.

Einen Versuch, die Bevölkerung wachzurütteln, hat der ÖGB am Montag gestartet: Mit den Flugblättern "Jetzt reicht’s" sollte eine Flut von Beschwerden an die Regierungsspitze ausgelöst werden.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 531 70/428

Der Standard

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST/OTS