AN/SICHTEN: Malerei aus dem Kongo 1990-2000, Museum für Völkerkunde 1. Februar - 1. Juli 2001, Eröffnung: 31. Jänner 2001, 18.00 Uhr

Öffnungszeiten: Täglich außer Dienstag 10.00 bis 18.00 Uhr

Wien (OTS) - Die vom Museum für Völkerkunde zusammengestellte Ausstellung präsentiert 168 Werke populärer Malerei aus der Demokratischen Republik Kongo der letzten 10 Jahre. Die Malereien thematisieren die rezenten politischen Ereignisse, die Rebellionen, die Wirtschaftskrise und ihre konkreten Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Sie offenbaren die Ansichten der Kongolesen, ihren Blickwinkel, wie sie die Ereignisse empfinden und interpretieren. Die Bilder bestechen durch ihre narrative Qualität und ihre direkte ästhetische Kraft, durch das große künstlerische Talent der mit einfachsten Arbeitsmaterialien operierenden Künstler. Viele Maler sind Autodidakten, manche empfinden ihre Kunst als Berufung, andere betreiben sie als Handwerk. Allen gemeinsam ist die Nähe zur Straße, zum Alltag und dem Befinden ihrer Mitbürger und deren Beurteilung aktueller Ereignisse, die sie mit ihrer vitalen, zum Teil ironisierenden Bildersprache festhalten. Einige populäre Maler, wie Chéri Samba aus Kinshasa und Tshibumba Kanda aus Lubumbashi, gelangten zu internationaler Bekanntheit, die meisten der hier vorgestellten Künstler sind jedoch im Westen noch weitgehend unbekannt. Der bildliche Parcours durch die jüngste Geschichte des Kongo beginnt mit dem Machtwechsel von Mobutu zu Kabila und endet mit den Rebellionen in den verschiedenen Landesteilen. Hintergründe des Geschehens werden in den Bildern erklärt, wie auch jene Entwicklungen im gesellschaftlichen Leben, mit denen die Kongolesen Tag für Tag konfrontiert sind, wie den Transportproblemen in der Stadt, dem Benzinmangel, dem Verfall der Sitten und ähnlichem. Die populäre Malerei dient gleichzeitig als Medium der Berichterstattung und als moralisierende Kritik gesellschaftlicher Veränderungen.

AN/SICHTEN gibt einen umfassenden Überblick über die rezente Kunstproduktion dreier urbaner Zentren: der Hauptstadt Kinshasa, Lubumbashi, der größten Stadt im Zentrum des Kupferabbaugebietes und Bunia, einer Kleinstadt an der Grenze zu Uganda, die vom Goldhandel und -abbau lebt. Regionale Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Themenwahl und im Stil werden auf diese Weise aufgezeigt. Gleichzeitig werden auch die Materialien und Techniken der populären Maler vorgestellt. Ein Bereich der Ausstellung befaßt sich mit der Funktion des kongolesischen Wohnzimmers und illustriert die konkrete Verwendung und Bedeutung der Gemälde im Privatbereich. Es werden jene Bildtypen gezeigt, die vorzugsweise in Wohnzimmern hängen. In der Ausstellung wird atmosphärisch ein solcher Raum rekonstruiert, dessen Mittelpunkt ein aus Kinshasa importiertes Salon-Set bildet.

Neben ihrer dekorativen Eigenschaft tragen die Bilder dazu bei, die Besitzer in gesellschaftlicher, ethnischer oder religiöser Hinsicht zu positionieren. Malereien können als Glücksbringer dienen, wie Darstellungen der Reichtum und Macht spendenden Sirene "Mami Wata", oder als Reminder für die koloniale Unterdrückung, wie das "Colonie Belge" - Motiv. Auch wenn Bilder Vergangenes ansprechen, werden sie umgelegt auf gegenwärtige Erfahrungen und exemplifizieren im Falle der belgischen Kolonie die Unterdrückung des Individuums durch den Staatsapparat.

Mit der Ausstellung AN/SICHTEN will das Museum für Völkerkunde einen Eindruck über das gegenwärtige Afrika vermitteln und zeigen, daß es abseits von der bedeutenden sogenannten "traditionellen" klassischen afrikanischen Kunst, wie den Skulpturen und Masken, rezente Kunsterzeugnisse gibt, denen eine besondere ästhetische Qualität zu eigen ist. Für die große Zahl der urbanen afrikanischen Bevölkerung hat die populäre Malerei mehr mit ihrem gegenwärtigen Leben zu tun, als die bei uns so hoch geschätzten skulpturalen Kunstobjekte. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog als erstes umfassendes Kompendium populärer Malerei aus dem Kongo in deutscher Sprache.

Ausstellung und Katalog:

Barbara Plankensteiner, Kuratorin, Afrika-Abteilung, Museum für Völkerkunde Wien. Bogumil Jewsiewicki, Gastkurator, Univ.Prof., Universite Laval, Quebec, Kanada Die beiden Kuratoren der Ausstellung haben für die Ausstellung 1999 im Kongo Maler interviewt und in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit kongolesischen Wissenschaftlern zahlreiche Befragungen durchgeführt sowie eine Foto- und Videodokumentation über Maler und die Verwendung der Bilder in Privathaushalten erstellt.

Die Exponate stammen aus der neu angelegten Sammlung des Museums für Völkerkunde und der seit 20 Jahren aufgebauten Privatsammlung von Bogumil Jewsiewicki, der selbst zehn Jahre im Kongo unterrichtet hat und seit den 70iger Jahren jährlich zu Forschungszwecken dorthin zurückkehrt. Einzelne Malereien stammen von privaten Leihgebern in Belgien und in Paris.

Begleitprogramm:

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung bietet nebst einer Vortragsreihe einen populären Maler aus Lubumbashi Vincent Nkulu, der Besucher porträtieren wird. In einer Verkaufsgalerie werden populäre Malereien aus Kinshasa und Lubumbashi zum Verkauf angeboten.

VERANSTALTUNGSPROGRAMM

Vorträge, Galeriegespräche

Donnerstag, 1. Februar 2001, 18 Uhr
Univ. Prof. Dr. Bogumil Jewsiewicki, Gastkurator der Ausstellung (Inst. für Geschich-te, Universität Laval, Québec, Kanada) Chronicles of the present, memories of the future: popular painting in the Congo. Vortrag in englischer Sprache mit Lichtbildern.

Mittwoch, 14. Februar 2001, 18 Uhr
Alexandre Mbaya (Kaplan in Wien) Von Mobutu bis Kabila:
Persönliche Reflexionen über die politische Entwicklung in "Zaïre". Vortrag

Donnerstag, 8. März 2001, 18 Uhr
Univ. Prof. Dr. Johannes Fabian (Institut für Ethnologie, Universität Amsterdam) Geschichte als Leidensgeschichte: das Werk Tshibumba Kanda Matulus. Vortrag mit Lichtbildern

Mittwoch, 14. März 2001, 18 Uhr
Dr. Sabine Cornelis (Musee royal de l'Afrique centrale, Tervuren, Belgien) Painting in the Congo at the time of the Belgian occupation (1880-1960). Vortrag in englischer Sprache mit Lichtbildern

Mittwoch, 21. März 2001, 18 Uhr
Peter Weihs und Oswald Stimm (Wien) Die Kunstszene in Kinshasa 1970-1990. Galeriegespräch in der Ausstellung: Beide Künstler haben jahrelang an der Akademie der Schönen Künste in Kinshasa unterrichtet. Sie erzählen über ihre Zeit im Kongo, über die Maler und ihre Werke.

Mittwoch, 4. April 2001, 18 Uhr
Ulrike Davis-Sulikowski (Ethnologin, Wien) Kunst und Kontext. Populäre afrikanische Kunst und die internationale Kunstszene. Vortrag mit Lichtbildern

Donnerstag, 10. Mai 2001, 18 Uhr
Univ. Doz. Dr. Wolfgang Bender (Institut für Ethnologie und Afrika-Studien, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz) "Der Tanz der Etiketten" - Papa Wemba und die SAPE (Societe des Ambianceurs et Personnes Elegantes) im Kongo. Vortrag mit Musik und Videoausschnitten

Donnerstag, 17. Mai 2001, 18 Uhr
Johan Lagae (Inst. für Architektur und Städtebau, Universität Ghent, Belgien) Colonial architecture in the Belgian Congo, a "tool of empire"- A case-study: the discussion on the "ideal colonial house" (1885?1960). Vortrag in englischer Sprache mit Lichtbildern

Mittwoch, 30. Mai 2001, 18 Uhr
Barbara Plankensteiner, Kuratorin der Ausstellung (Afrika-Abteilung, Museum für Völkerkunde, Wien) Populäre Malerei im kongolesischen Wohnzimmer. Vortrag mit Lichtbildern

Filmabende
Mittwoch, 28. Februar, 18 Uhr
Macadam Tribu
Regie: Jose Laplaine, Congo (Zaïre) 1996, 90 Min., OF mit engl. U Spielfilm über ein Stadtviertel in Kinshasa und den Zusammenhalt seiner Bewohner

Mittwoch, 11. April, 18 Uhr
La vie est belle
Regie: Ngangura Mweze, Congo (Zaïre) 1987, 85 Min., OF mit engl. U Spielfilm mit Papa Wemba, einem der bekanntesten Pop-Musiker Kongos, über das turbulente Stadtleben in Kinshasa unter Mobutu

Familiennachmittage Sonntag, 4. März, 15 Uhr

Sonntag, 20. Mai, 15 Uhr
Die Fledermaus und die Sonne.
Esperance-François Ngayibata Bulayumi (Autor, Wien, Kinshasa) erzählt
Mythen und persönliche Geschichten in Zusammenhang mit der Ausstellung.

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