"profil": Marboe: FPÖ will, dass "Kulturpolitik Polizeifunktion übernimmt"

Wiener Kulturstadtrat Marboe für eine Fortsetzung der rot-schwarzen Koalition in Wien

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" bezieht Kulturstadtrat Peter Marboe deutlich Position zum Wahlkampf in Wien, zum sozialdemokratischen Koalitionspartner und zum Kulturverständnis der FPÖ. An Marboes Irritation über die schwarz-blaue Bundesregierung hat sich im letzten Jahr zwar nichts geändert, doch der Kulturstadtrat verwahrt sich dagegen, "in die Falle sozialistischer Wahlkampfpropaganda" zu gehen und "aus einem Wienwahlkampf einen Bundesthemenwahlkampf" zu machen. Marboe hält diese Strategie für "fragwürdig". Die Sozialdemokraten wollten Wien "einen Bundeswahlkampf aufdrängen… und am liebsten überhaupt nicht über Nahverkehr, Integration, Ausländer oder Kultur reden. Ich will, dass eine Entscheidung fällt, wie es in Wien mit dieser Koalition weitergehen soll."

Die Bilanz seiner knapp viereinhalbjährigen Amtszeit sieht Marboe positiv. Die Kulturstadt Wien spiele heute "nachweislich in fast allen Bereichen in der obersten Liga" mit. Der Regierungswechsel 1996 sei Voraussetzung dafür gewesen, "dass vieles anders wurde, was wahrscheinlich in einer Alleinregierung nicht hätte anders werden können". Was die SPÖ in 50 Jahren Alleinregierung mit absoluten Mehrheiten in Wien nicht geschafft habe, sei in den letzten viereinhalb Jahren gelungen: eine Theaterreform (Drei-Jahres-Verträge), ein Durchbruch in der Frage der Restitutionen, "mehr Kultur in der Politik, weniger Politik in der Kultur". Deshalb plädiert Marboe für die Fortsetzung "dieser Art von Kulturpolitik".

Aufs schärfste rechnet der ÖVP-Stadtrat dagegen mit der Kulturpolitik der Freiheitlichen ab. Marboe: "Ich glaube, die wissen nicht einmal, was das ist. Bürgerliche Kultur bedeutet für die Freiheitlichen, ihre politische Ideologie zum Standard der Kulturrepräsentationen zu machen und zur Intervention aufzurufen, sobald Kunst etwas schwieriger wird. Damit verlangen sie, dass die Kulturpolitik Polizeifunktion übernimmt." Marboe erwartet von der Wiener FPÖ einen "Anti-Wahlkampf: Anti-Europa, Anti-Ausländer, Anti-Sozialismus, Anti-Kultur." Vor einem direkten verbalen Schlagabtausch mit freiheitlichen Politikern fürchtet sich der ÖVP-Politiker nicht. Marboe: "Das kann man sich nur wünschen, weil man da wirklich punkten kann."

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