DER STANDARD-Kommentar: "Universitäre Drehtür" (von Martina Salomon)

Wien (OTS) - An den Universitäten wird derzeit halblaut über Streik nachgedacht. Der Grund ist ein "Diskussionsentwurf" des Bildungsressorts zum Dienstrecht. Demnach könnten Assistenten nach vier Jahren auf der Straße stehen, wenn sie an keiner Universität einen Job als (ebenfalls befristete) Vertragsprofessoren finden. Das steht im Gegensatz zur bisherigen "geschlossenen Laufbahn", Habilitierte wurden automatisch pragmatisiert.

In der Theorie sind sich alle Diskutanten prinzipiell einig: Für den jungen Wissenschaftsnachwuchs sieht es derzeit zappenduster aus, wenn nicht etwas geschieht und Posten frei werden. In der Praxis hingegen schreien logischerweise all jene auf, die genau diese Jobs verlieren könnten. Wer seit Jahren engagiert auf die Habilitation hinarbeitet, seinem Professor vielleicht ein Gutteil der Lehre abgenommen hat und überhaupt für frischeren Wind am Institut gesorgt hat, fühlt sich verständlicherweise vor den Kopf gestoßen. Auch viele Professoren fürchten, dass sie begabte Assistenten verlieren, nur weil an ihrer Universität gerade kein Job für einen Vertragsprofessor frei ist.

Voraussichtlich wird das Ganze aber nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wurde: Wer etwa an einer weit fortgeschrittenen Habilitation arbeitet, wird wohl weiter an der Uni bleiben dürfen. Einige Assistenten werden zwar nicht mehr automatisch pragmatisiert, könnten aber Vertragsbedienstete werden. Und längerfristig - voraussichtlich ab 2002 - wird es den Unis ohnehin selbst obliegen, ihre eigenen Angestellten-Kollektivverträge zu erstellen. Das neue Dienstrecht soll verhindern, dass bis dahin schnell alles "zupragmatisiert" wird.

Es ist legitim, in einer angespannten Situation mit Streik zu drohen. Doch sehr realistisch scheint er derzeit nicht zu sein.

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