2000 - Ein gutes Jahr für die Industrie

Syndikus Lamel: Für 2001 ist mit Konjunkturverflachung zu rechnen - Exporte bleiben wichtige Konjunkturstütze

Retz (PWK) Das Jahr 2000 war in seiner Gesamtheit ein gutes Jahr für die Industrie: Mit einer realen Wachstumsrate von voraussichtlich 6,5% (Nettoproduktionswert) konnte die höchste Zuwachsrate seit langem erzielt werden. Das schwache Ergebnis des Jahres 1999, in dem der Zuwachs des Nettoproduktionswertes 2,4% ausmachte, wurde damit signifikant übertroffen, berichtete der Syndikus der Bundessektion Industrie in der WKÖ, Dkfm. Joachim Lamel, am Freitag im Rahmen des Industrie-Journalistenseminars in Retz.

Die Gründe für diese gute Konjunkturentwicklung liegen, so Lamel weiter, in einer positiven Veränderung aller wichtigen Nachfragekomponenten. Neben hohen Exportzuwächsen kamen auch von den Investitionen und vom privaten Konsum positive Impulse. Die Exporte sind im abgelaufenen Jahr voraussichtlich um real 12 % und nominell um fast 16 % gewachsen. Dabei hat insbesondere die Nachfrage aus Drittländern überdurchschnittlich zugenommen. Gestützt durch die Steuerreform und das Familienpaket, war vor allem im ersten Halbjahr 2000 der private Konsum eine wichtige Säule der Konjunktur. Auch die Investitionstätigkeit war im ersten Halbjahr außerordentlich rege. Gegen Jahresende gab es Vorzieheffekte wegen der bevorstehenden Streichung des Investitionsfreibetrages, was sich im laufenden Jahr entsprechend auswirken wird.

In der Industrie waren bis zu Anfang des 4. Quartals kaum Anzeichen einer Konjunkturabkühlung zu merken. Die Produktionstätigkeit lag auf hohem Niveau. Allerdings machte sich bereits im 3. Quartal eine Abschwächung bei den Auftragseingängen bemerkbar, die wohl auch im 4. Quartal angehalten haben dürfte. Der Konjunkturhöhepunkt lag in der Jahresmitte, danach hat die wirtschaftliche Dynamik nachgelassen. Das hat nicht zuletzt mit den hohen Erdölpreisen zu tun, die auch auf der Endverbraucherstufe verteuernd wirkten. Die Weltmarkt-Rohstoffpreise (auf Schillingbasis) lagen im 3. Quartal 2000 um 46,7 % über dem 3. Quartal 1999, ohne Energierohstoffe betrug der Anstieg immerhin noch 18 %.

Für das heurige Jahr wird mit einer deutlichen Verflachung der internationalen Konjunktur gerechnet. Das Wachstum des gesamten OECD-Bereichs wird von 3,5 % auf voraussichtlich 2,3% zurückgehen. Dies wird auch Konsequenzen für die Entwicklung in Österreich haben. Auslöser der internationalen Konjunkturabschwächung ist die Erdölpreisentwicklung zusammen mit einer restriktiveren Geldpolitik. Vor allem wird erwartet, dass sich das Wachstum in den USA deutlich reduziert und damit die Weltwirtschaft an Dynamik verliert. Derzeit rechnet man damit, dass sich die US-Wachstumsrate von 5 % auf 2,3 % im heurigen Jahr halbiert. In der EU wird eine geringere Wachstumsdämpfung von 3,3 % auf 2,8 % erwartet.

Der Exportboom des Jahres 2000 wird sich für Österreich im Jahr 2001 daher abschwächen. Mit nominell voraussichtlich knapp 10 % (real plus 7 %) werden die Exporte aber nach wie vor eine wichtige Konjunkturstütze bleiben.

Nach der derzeitigen Einschätzung der Situation dürfte die industrielle Wachstumsrate heuer auf voraussichtlich 4,5% zurückgehen. Hatte schon die gute Konjunktursituation im Jahr 2000 keine signifikanten Auswirkungen auf die Gesamtbeschäftigung gehabt, so wird die abgeschwächte industrielle Entwicklung des Jahres 2001 eher leicht negative Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie haben, fasste Lamel zusammen (hp).

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