"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der neue Proporz" (von Alois Vahrner)

Ausgabe vom 26. 1. 2001¶

Innsbruck (OTS) - Das Postenkarussell im öffentlichen und halböffentlichen Bereich dreht sich dieser Tage schneller denn je. ÖIAG-Chef Rudolf Streicher wurde bereits "einvernehmlich, aber nicht freiwillig" gegangen. Die Tage von Sozialversicherungs-Chef Hans Sallmutter, ÖBB-General Draxler und der AUA-Zwillinge Herbert Bammer und Mario Rehulka dürften ebenso gezählt sein wie jene Dutzender anderer vornehmlich roter Vorstände und Aufsichtsräte.

Die schwarz-blaue Koalition hat ein knappes Jahr nach Amtsantritt mit dem personellen Großreinemachen begonnen. Erster Eindruck: Die FPÖ macht - wie versprochen - tatsächlich Schluss mit dem unseligen rot-schwarzen Proporzfilz, der über Jahrzehnte wie am

Schnürchen geklappt hat. Zweiter Eindruck: Gespielt wird noch immer das alte Spiel, nur unter den neuen Vorzeichen: Schwarz-rot wird durch schwarz-blau ersetzt. Bestes Beispiel ist die von der FP erzwungene Neubesetzung des ÖBB-Aufsichtsrats.

Nicht wirklich überraschend ist angesichts dieser Vorgänge der Aufschrei der SPÖ-Granden. Nach dem Verlust der Ministerien gehen nun auch noch die lukrativen Chefposten in den Staatsbetrieben verloren, mit dem so mancher Parteigänger versorgt und gleichz eitig Einfluss abgesichert werden konnte.

VP-Mann Günter Stummvoll hat schon Recht, dass Privatisierungen das beste Mittel gegen den Zugriff der Parteien auf die Wirtschaft wären. Darauf zu verzichten, wird nicht zuletzt seiner Partei schwer fallen, die ja im Gegensatz zur SPÖ weiter ordentlich bei Postenvergaben mitmischen kann.

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