Arbeitnehmer: EU-Zuckerliberalisierung gefährdet Jobs und Qualität

AGRANA-Zentralbetriebsratsvorsitzender ruft Wirtschaftskammer zu Umdenken auf

Wien, 25. Jänner 2001 (AIZ). - Aussagen einer Vertreterin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in der innerösterreichischen Arbeitsgruppe für Handelspolitik in der EU, die WKÖ unterstütze die "Alles außer Waffen"-Initiative von Außenhandelskommissar Pascal Lamy für die Öffnung des EU-Marktes für unlimitierte, zollfreie Zuckerlieferungen aus den 48 ärmsten Entwicklungsländern (Least Developed Countries, LDC), lassen Arbeitnehmervertreter vor einer Gefährdung von Arbeitsplätzen, ganzen ländlichen Regionen und schließlich auch der Konsumenten wegen Bedenken über die Qualität dieser Zuckerlieferungen warnen und die den sozialpartnerschaftlichen Wirtschaftsflügel zum Umdenken aufrufen. ****

Der Zentralbetriebsratsvorsitzende der Agrana Zucker und Stärke GesmbH., Harald Toth, warnt gegenüber dem AIZ: "Wenn der Lamy-Vorschlag kommt, sterben wir bald. Verliert die EU-Zuckerwirtschaft dadurch nämlich im Inland bis zu 40 % Marktanteil an die LDC, heißt dies für Österreich etwa, dass nur mehr eine statt der bisher drei Zuckerfabriken (Tulln, Leopoldsdorf und Hohenau, alle in Niederösterreich) Bestand haben kann. Der Verlust dieser Arbeitsplätze durch Farbriksschließungen und die gleichzeitige Einschränkung des Zuckerrübenanbaus würde den betroffenen Regionen weitere schwere Schäden zufügen und dort weitere Arbeitsplätze verschwinden lassen. Die WKÖ sollte sich die Frage stellen, was mit ihrer Liberalisierungsforderung am Spiel steht. Meint sie das tatsächlich, ist das wirklich ihr Wunsch?" Toth vertritt als Vorsitzender des Zentralbetriebsrates in den drei Zuckerfabriken von AGRANA allein bis zu 1.600 Arbeitnehmer, die dort während des Kampagnebetriebes Arbeit finden.

Was beim Fleisch passiert ist, könnte auch beim Zucker eintreten

"Was beim Fleisch passiert ist, könnte auch beim Zucker eintreten", appelliert Toth weiters an die Konsumenten, dass es sich bei Zucker ebenfalls um ein Grundnahrungsmittel handle und "bester Zucker, wie er von uns stets gefordert und erzeugt wird, seinen Preis hat". Wenn aber der Markt einmal für Billigstware offen sei, "spielt Qualität auch keine Rolle mehr", versucht der Arbeitnehmervertreter das Verbraucherbewusstsein wachzurütteln.

"Es hat schon seinen Grund, warum bei uns Zucker teurer ist als in der Dritten Welt. Wir tätigen jährlich zig Millionen Umweltinvestitionen." Es sei auch wichtig, dass sich die Verbraucher vor Augen halten, was sie mit derartigen - für unsere Verhältnisse geringfügigen - Einsparungen beim Zuckerpreis in den Entwicklungsländern an neuen Umweltbelastungen oder an noch mehr Kinderarbeit auslösen.
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