Mangelndes Wissen über Blutvergiftung kann zu Fehldiagnosen und verspäteter Behandlung von Patienten führen

London (ots-PRNewswire) - Achtzig Prozent (80%) der an der Behandlung von Blutvergiftung beteiligten europäischen Ärzte glauben, dass eine allgemeine Definition der Blutvergiftung innerhalb der Ärzte-Gemeinschaft einen bedeutenden Schritt in Richtung einer verbesserten Behandlung dieses globalen Problems (1) darstellen würde, von dem angenommen wird, dass täglich weltweit 1.400 Menschen daran sterben (2).

Diese Zahlen stammen aus einer Umfrage über Blutvergiftung, die von der European Society of Intensive Care Medicine (ESCIM) und der Society of Critical Care Medicine (SCCM) durchgeführt wurde. Auf einer von Eli Lilly and Company gesponserten Zusammenkunft wurden die Ergebnisse dieser Umfrage bekannt gegeben. Die Umfrage enthüllte auch, dass zwei Drittel (66%) der europäischen Befragten über das Fehlen einer allgemeinen Definition besorgt sind (1) und dass 81% davon der Meinung sind, dieses Fehlen sei zumindest teilweise verantwortlich für Fehldiagnosen von Blutvergiftung, die für die Patienten zu verspäteter Behandlung und weiteren Komplikationen führen können (1).

Bei Blutvergiftung handelt es sich um eine Vielzahl von klinischen Konditionen, die durch eine extrem starke systemische Reaktion auf eine Infektion oder auf ein Trauma verursacht werden. Die Charakteristika einer Blutvergiftung sind systemische Entzündung, aktivierte mikrovaskuläre Koagulation (Blutgerinnung) und veränderte Fibrinolyse (das 'Platzen von Blutgerinnseln'); die Folgen sind akutes Organversagen und häufig auch Tod (3).

"Die Umfragergebnisse haben nur bestätigt, was Experten auf dem Gebiet der Blutvergiftung schon seit langer Zeit sagen", kommentierte Professor Graham Ramsay, designierter Präsident der ESCIM. "Blutvergiftung ist häufig sehr schwer zu diagnostizieren, da viele ihrer Symptome wie Fieber, Pulsrasen und Atemprobleme auch auf viele andere medizinische Konditionen zutreffend sind. Zweiundachtzig Prozent (82%) unserer europäischen Befragten sind der Meinung, dass die Symptome einer Blutvergiftung leicht fälschlicherweise einer anderen Krankheit zugeschrieben werden können (1), was zum Problem der verspäteten oder Fehldiagnose führt. Eine allgemeine Definition wäre ein wichtiger erster Schritt, der ärztlichen Gemeinschaft bei einer effektiven Behandlung der Blutvergiftung zu helfen."

Trotz der Anzahl an Menschen, die jährlich an Blutvergiftung sterben (ihre tägliche Zahl entspricht der der Insassen dreier Jumbojets), glauben die Ärzte, dass es noch eine lange Zeit dauern wird, bis sie die nötigen Voraussetzungen haben, um die Krankheit mit Sicherheit diagnostizieren und bekämpfen zu können. Siebenundachtzig Prozent (87%) der befragten europäischen Ärzte sind der Meinung, dass die Pathogenese der Blutvergiftung noch nicht vollständig bekannt ist (1), während 86% glauben, dass die Blutvergiftung zu den herausforderndsten Krankheiten gehört, die ein Arzt behandeln kann (1).

"Ein umfassendes und konsistentes Ausbildungsprogramm innerhalb der ärztlichen Gemeinschaft wird von essenzieller Bedeutung sein, wenn es schnell zu einer zuverlässigen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeit für Blutvergiftung kommen soll", fuhr Professor Ramsay fort.

"Das Bewusstsein über die Blutvergiftung und ihre Bedeutung ist in der Bevölkerung sehr gering. Der Grund dafür ist, dass es für uns als Fachleute schwierig ist, etwas zu erklären, wenn so wenig darüber bekannt ist".

Die Frustration der ärztlichen Gemeinschaft über das Thema Blutvergiftung wurde noch dadurch vertieft, dass es keine Behandlungsmöglichkeit gibt, die spezifisch auf die Sepsis-Kaskade abzielt, und dass eine Anzahl potenzieller Behandlungsmöglichkeiten den Patienten keine bedeutenden Fortschritte gebracht hat (4). Neunundachtzig Prozent (89%) der befragten europäischen Ärzte gaben an, dass sie auf einen Durchbruch auf dem Gebiet der Behandlung warten (1).

"Derzeit werden die Patienten mit Antibiotika gegen die zugrundeliegende Infektion behandelt - allerdings mit begrenztem Erfolg. Bis jetzt gibt es keine Behandlungsmöglichkeit, die durch die Veränderung der Sepsis-Kaskade ein besseres Ergebnis liefern könnte", kommentierte der Experte auf dem Gebiet der Blutvergiftung Jean-Louis Vincent, Leiter der Intensivstation des Klinikums der Erasmus-Universität Brüssel. "Eine Kombination aus früher Diagnose und einem Durchbruch bei den Behandlungsmöglichkeiten würde die Ergebnisse für die Patienten dramatisch verbessern."

Die internationale Umfrage über Blutvergiftung der ESCIM/SCCM wurde zwischen November und Dezember 2000 in sechs Ländern (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und den USA) durchgeführt. Insgesamt wurden 1.050 Ärzte befragt, 150 in jedem der europäischen Länder und 300 in den USA.

Über ESCIM

Die European Society of Intensive Care Medicine ist eine Vereinigung von Einzelpersonen, die zum Ziel hat, das Wissen auf dem Gebiet der Intensivmedizin zu fördern und voranzutreiben. Ihre Mittel sind:

- Promotion und Koordination von Aktivitäten in verschiedenen Bereichen der Intensivmedizin;

- Förderung von Forschung und Ausbildung in diesen Bereichen;

- Abgabe von Empfehlungen für die Verbesserung von Einrichtungen der Intensivmedizin in Europa;

- Organisation und Koordination internationaler Kongresse und Meetings.

Die ESCIM wurde im März 1982 in Genf (Schweiz) gegründet. Sie ist eine nicht profitorientierte internationale Vereinigung. Ihre Verwaltung befindet sich in Brüssel (Belgien). Weiter Informationen sind im Internet unter www.escim.org erhältlich.

Quellenangaben:

1 - Internationale Umfrage über Blutvergiftung, ESCIM/SCCM: Januar 2001

2 - Eli Lilly and Company; Medical Research Dept., Indianapolis, 2000

3 - Lynn, W. A. und Cohen, J.: Adjunctive therapy for septic shock: a review of experimental approaches, in: Clinical Infectious Diseases 1995; 20: 143-159

4 - Natanson, C.; Esposito, C.J.; Banks, S.M.: The sirens' songs of confirmatory sepsis trials: selection bias and sampling error, in:
Crit Care Med. 1998; 26: 1927-1931.

Zeni, F.; Freeman, B.; Natanson, C.: Anti-inflammatory therapies to treat sepsis and septic shock: a reassessment, in: Crit Care Med. 1997; 25: 1095-1100.

ots Originaltext: ESCIM
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