"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Kollektiver Irrtum

Ausgabe vom 23.1.2001

Die politische Brisanz ist ein Aspekt. Der andere die menschliche Tragödie. Das unlautere Verschmelzen beider Aspekte heißt "Affäre Stojan": Eine Tragödie, deren Tragik in der Unmenschlichkeit des politischen Kalküls liegt. Schlimmer noch: Eine menschliche Tragödie wurde konstruiert, um Politik zu machen...

Wenn sich eine politische Seite hinter der psychischen Problematik eines Menschen versteckt, schockiert die Wirklichkeit mit einer Brutalität, die unaussprechlich ist. Wird ein Mensch missbraucht, deformiert, abmontiert, geschändet, um sich selbst unbeschädigt aus der Affäre zu ziehen? Sagen wir es - vielleicht naiv - gerade heraus:
Niemand von allen Beteiligten hat das, was der designierte Kärntner Kulturamtsleiter Dr. Stoja besitzt: ein ärztliches Attest (nach seinem unfreiwilligen "Besuch" in der Psychiatrie), das ihm völlige Gesundheit bescheinigt...

Das aber wird - offensichtlich - ignoriert: Ein Mensch hat gesundheitliche Probleme zu haben, weil die politische Argumentation auf dieser Annahme fußt. Wie ein Kartenhaus zusammenbrechen kann sie nicht. Darf sie nicht.

Ob gesund, ob nicht gesund. Ob mit Problemen kämpfend, ob sorgenfrei. Der Mensch sitzt einem Elementarfehler auf, der - im Grunde -unverzeihlich ist. Unverzeihlich und unerträglich. Er akzeptiert die nicht ausgesprochene, aber als unabdingbares Muss grundlegende Behauptung: Ein Mensch, der krank ist, lügt. Es bedurfte dieses kollektiven Einverständnisses, um zur "Affäre Stojan" zu gelangen. Ein kollektiver Irrtum.

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