Wiener Landtag (2)

Aktuelle Stunde

Wien, (OTS) Auf Antrag der ÖVP fand eine Aktuelle Stunde zum Thema "Die Region Wien im kulturellen Wettbewerb" statt.

LAbg. Dr. Johannes Hahn (ÖVP) bezog sich auf den Wiener Wahlkampf und unterstrich die Unterschiede in der Kulturpolitik zwischen seiner Partei und den Grünen. Diese hätten sich in einem Interview für Kultursubventionen ausgesprochen, aber keine wirklichen Ideen gehabt. Sie verstünden auch Stadtrat Marboes Credo, das "Kunst darf, kann, aber muss nicht" laute, nicht. Der Redner würdigte die "vielfältigen Leistungen" des Stadtrates in der Wiener Kulturpolitik und verwies darauf, dass man sich bemühe, angesichts des Wettbewerbs der Städte einen Ideenmanager zu
finden. LAbg. Dr. Andreas Salcher (ÖVP) sagte, dass der Ruf Wiens als Kulturmetropole nicht nur gehalten, sondern ausgebaut werden müsse. Dies geschehe bereits: Berlin habe Theater zugesperrt, in Wien dagegen sei vieles aufgesperrt worden. Seine Partei stünde für "Öffnen", die Grünen für "Zusperren". Kritisch setzte er sich mit Aussagen der Grünen auseinander, nach so vielen Jahren sei genug Mozart aufgeführt worden. Im übrigen sei die ÖVP nicht grundsätzlich gegen türkische Aufführungen im Theater in der Josefstadt, es müsse aber ein klares Konzept geben.

Es gehöre zum Wesen der ÖVP, dass sie Kritik an der Kulturpolitik in Wien als Majestätsbeleidigung gegenüber Stadtrat Marboe ansehe, führte LAbg. Mag. Christoph Chorherr (G) aus. Nachhaltig sprach er sich für mehr Schwerpunkte mit zeitgenössische Musik aus. Für eine Orgel in Mariazell hätte man etliche Millionen zugeschossen, aber nur einen Bruchteil davon
gebe es für zeitgenössischer Musik. In den Diskussionen um die Bestellung eines neuen Chefs für das Theater in der Josefstadt forderte er Transparenz und Nachvollziehbarkeit. StR. Dr. Friedrun Huemer (G) kritisierte, dass große Orchester ausschließlich männlich besetzt seien und aus Weißen bestünden. Es müsse auch Kultur zugelassen werden, die über den Mainstream hinausgehe. Für das Klangforum habe man das Budget nicht erhöht, obwohl es auf der ganzen Welt gefeiert werde.

Zur Aufgabe, die Identität zu bewahren und weiter zu entwickeln, gehörten Bildung und Ausbildung kommender
Generationen, stellte LAbg. Heidemarie Unterreiner (FPÖ) fest.
Hier gebe es in Wien schwere Versäumnisse, der Ruf Wiens als Musikstadt drohe zu einer leeren Formel zu werden. Der Film sei Kulturgut und Wirtschaftsfaktor, eine grundlegende Reform der Filmförderung sei jedoch ausgeblieben. In der Amtszeit des
jetzigen Stadtrates habe kein österreichischer Film ein Millionenpublikum gefunden. Auch der "Festival-Ruf" sei durch das erbärmliche Schauspiel Schlingensiefs arg geschädigt worden. LAbg. Susanne Kovacic (FPÖ) befand, dass das Neujahrskonzert als Kulturangebot für ein ganzes Jahr zuwenig sei. Es sei ein Fehler gewesen, Guggenheim auszulassen. Dafür gebe es keinen adäquaten Ersatz. Für die Festwochen forderte sie mehr Eigenproduktionen und weniger Zukäufe.

Es sei amüsant, wie sich ÖVP und Grüne um das Kulturressort in der nächsten Wiener Stadtregierung stritten, meinte LAbg. Ernst Woller (SPÖ). Den internationalen Ruf Wiens als Kulturstadt habe man jahrzehntelanger Politik der SPÖ zu verdanken. Diese habe zuletzt Stadtrat Marboe umgesetzt. Nötig seien Biotope für die junge Szene. Es gelte auch, den Bund daran zu erinnern, dass er seinen Verpflichtungen nachkommt. Abschließend sprach er sich für mutige, gestalterische Politik mit Visionen aus. Wien befinde sich im kulturellen Ranking in einer Topposition, sagte LAbg. Renate Winklbauer (SPÖ). Dazu gehörten u.a. Festivals, Kulturevents, Tanzveranstaltungen und eine neue Opernszene. Wien sollte bis zum Jahr 2010 die Hauptstadt der jungen Kunst in Europa sein. Dazu
werde es nötig sein, junge Künstlerinnen und Künstler stärker zu finanzieren und sie durch verschiedene Maßnahmen möglichst früh zu einer kreativen Entwicklung zu führen.

LAbg. Dr. Rüdiger Stix (ohne Klubzugehörigkeit) sagte, er sei nicht der Pflichtverteidiger des Stadtrates, aber Kultur sei nicht allein das Verdienst der SPÖ, dazu hätten auch Namen wie Mozart, Beethoven oder Freud beigetragen. Kulturbetriebe könnten entlastet werden, würden sie steuerlich so wie politische Parteien behandelt werden. Er würde sich wünschen, dass innerhalb kurzer Zeit in Wien künstlerische Fachhochschulen errichtet werden. (Forts.) ull/rr

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