"Neue Zeit" Kommentar: "Unanständig" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 23. 1. 2001

Graz (OTS) - Während ÖVP-Multiminister Martin Bartenstein in der ORF-Pressestunde dem Koalitionspartner FPÖ Blumen streute, bekam seine Partei in der Kurhalle Wien-Oberlaa "Stoff" vom einfachen FPÖ-Parteimitglied Jörg Haider. Bartenstein zeigte sich "rundum zufrieden" mit dem Partner, der die Wende von einer rechtspopulistischen Opposition zum verantwortungsvollen Regieren bestens geschafft habe. Hochanständig von der Kanzler-Partei, was der Minister an Lob bereit hielt, möchte man meinen.

Der immer noch (un)heimliche FPÖ-Führer Jörg Haider, der nach wie vor bei allen Gelegenheiten beweist, dass er die Zügel seiner Partei fest in der Hand hält, sieht das ganz anders. Nahezu zeitgleich mit Bartensteins "Zuckerbrot" für die Koaliton, packte Haider die "Peitsche" gegen den Regierungspartner aus. Man werde auch der ÖVP beibringen "anständig zu werden", polterte er unter dem Applaus des Parteivolkes in den Saal. Warum die Kanzler-Partei "unanständig" ist, lieferte der Einfache gleich mit: Zu wenig Posten für ihren Steigbügelhalter FPÖ habe sie bisher bereitgestellt. Wenn sich die Mehrheitsbeschaffung nicht in der Postenvergabe niederschlägt, dann nicht mit ihm.

Anstand kann für Haider kein Lippenbekenntnis sein, sondern muss schon mit Postenvergabe in Schlüsselpositionen untermauert werden. Siehe die Ablöse von Rudolf Streicher als ÖIAG-General oder der Griff nach dem ORF. Nur so kann die Dritte Republik auf ein festes Fundament gestellt werden.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit
Tel.: 0316/2808-306

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS